Christoph Jenny

Direktor der Wirtschaftskammer Vorarlberg

(Foto: © Dietmar Walser)

Plädoyer für mehr Flexibilität

April 2021

Die wirtschaftlichen Konsequenzen der Krise sind längst nicht ausgestanden und lassen sich auch noch nicht konkret abschätzen. Mit flexiblen, möglichst raschen Unterstützungen ist unseren Betrieben jetzt am meisten geholfen. Unser gemeinsames Ziel muss sein, Liquidität in den Betrieben zu erhalten, sodass sie, wo es möglich ist, weiterarbeiten und Beschäftigung erhalten können. Den Vorarlberger Regionalbanken kommt dabei eine unverzichtbare Rolle zu. In der Region verankert, agieren sie quasi als der Blutkreislauf unserer Wirtschaft. Sie verstehen dabei das Banking als Unterstützung der Realwirtschaft und nicht einer Finanz- oder gar Spekulationswirtschaft. Die Regionalbanken sind in dieser extrem herausfordernden Zeit Teil der Lösung und helfen, wo sie können, wenn sie dürfen. Können im Sinne der gegebenen wirtschaftlichen Stärke und der vorhandenen fachlichen Expertise und dürfen im Sinne der aufsichtsrechtlich machbaren regulatorischen Rahmenbedingungen. Damit sind wir beim Punkt. Ihnen muss höchstmögliche Flexibilität eingeräumt werden, um die Rolle als starker und verlässlicher Partner der Unternehmen weiterhin erfüllen zu können. Und genau an fehlender Flexibilität scheitern immer noch Hilfsleistungen. Nicht, weil die Banken nicht wollen, sondern weil eine gewisse Regulatorik von Seiten der Politik und damit der Finanzmarktaufsicht es ihnen verunmöglicht. Bürokratie engt den Handlungsspielraum der Banken ein und nimmt ihnen immer wieder Raum und Luft für ihre Hauptaufgabe – nämlich die Übernahme von Risiko und Finanzierung der Wirtschaft.
Seit Ausbruch der Krise haben sich die Vorarlberger Banken als verlässliche Partner bei der Liquiditätsversorgung sowie Risikoübernahme und Finanzierung der Wirtschaft erwiesen. Sie stehen dabei immer vor der Aufgabe, seriöse Risikoeinschätzungen vorzunehmen und die Wachstumsphase mit Kreditgewährungen zu begleiten. Dabei müssen sie aufzeigen, dass diese Hilfe auch gerechtfertigt ist und welche regulatorischen Rahmenbedingungen dafür gebraucht werden. Gerade jetzt geraten krisenbedingt auch viele gesunde Unternehmen in eine schwierige Situation. Unsere Bankenvertreter sehen es als deren Aufgabe, frühzeitig auf diese Problematik aufmerksam zu machen und alle jene Unternehmen zu schützen, die über ein gesundes Wirtschaftsmodell verfügen und völlig unverschuldet in diese schwierige Situation geraten sind. Die wirtschaftliche Situation der Vorarlberger Banken ist gut und ermöglicht den von COVID-19 betroffenen Unternehmen ihre Hilfe anzubieten. Bleibt der klare Appell, den regionalen Banken mehr Spielraum und Flexibilität in der Hilfe zu gewähren.

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