Christoph Jenny

Direktor der Wirtschaftskammer Vorarlberg

(Foto: © Dietmar Walser)

Wir haben es selbst in der Hand

September 2022

Nicht nur die Energiepreise setzen den Betrieben extrem zu, auch der Arbeitskräftemangel hat negative Auswirkungen für betroffene Betriebe, Branchen und Regionen und damit für den gesamten Standort Vorarlberg. Die Sicherung des Fachkräftebedarfs der heimischen Betriebe hat für die Wirtschaftskammer daher höchste Priorität. Eine Umfrage der Wirtschaftskammer Vorarlberg liefert dazu aktuelle Daten. Für über 60 Prozent der befragten Unternehmen stellt der Mangel an Arbeitskräften eine „sehr große“ Herausforderung dar, „groß“ ist sie immerhin noch für 19,5 Prozent. Gesucht werden die Fachkräfte vor allem in den Bereichen Produktion, Technik und Vertrieb. Allerdings scheint eine Rekrutierung am Vorarlberger Arbeitsmarkt nahezu unmöglich zu sein. Das liege in erster Linie an der geringen Motivation arbeitsloser Personen, eine Beschäftigung anzunehmen und an den fehlenden Qualifikationen, der am Arbeitsmarkt verfügbaren Personen.
Der Arbeitskräftemangel führt laut den Unternehmen zu einer hohen Belastung der eigenen Mitarbeiter:innen, zur Ablehnung von Aufträgen, zu einem Verlust von Kund:innen sowie zu einer höheren Fluktuation des bestehenden Personals. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen sieht in der Ausbildung von Lehrlingen die geeignetste Maßnahme, um die dringend benötigten Fachkräfte für das eigene Unternehmen zu gewinnen. Gefolgt von der Rekrutierung am Vorarlberger Arbeitsmarkt, durch internationale Rekrutierungen, der Ausbildung der eigenen Mitarbeiter:innen oder durch den Erhalt der Arbeitsfähigkeit der eigenen Mitarbeiter:innen im höheren Alter. Vor allem in einem verbesserten Angebot bei der Kinderbetreuung wird die richtige Maßnahme gesehen, damit Mitarbeiterinnen wieder früher in den Betrieb zurückkehren können. Um mehr arbeitslose Menschen wieder ins Berufsleben zu bringen, wünschen sich zwei Drittel der befragten Unternehmen eine Probephase (zum Beispiel sechs Monate) für arbeitslos gemeldete Personen. Über die Hälfte der Unternehmen haben wenig bis keine Erfahrung mit der Rekrutierung internationaler Arbeitskräfte. Zum einen, weil ihnen die konkreten Informationen fehlen, welche Fachkräfte es in den verschiedenen Ländern gibt, und zum anderen werden „zu hohe sprachliche Barrieren“ und „der große bürokratische Aufwand“ angeführt.
Die Demografie schwächt Arbeitsmarkt und Wirtschaft, auf denen sich unser Wohlstand und Sozialstaat gründen. Diese Basis ist zu stärken und nicht durch Arbeitszeitverkürzung und Frühpensionen zusätzlich zu schwächen.
Wir haben in unserem Land sehr viel selbst in der Hand.

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