Daniel Zadra

Jurist und Landtagsabgeordneter der Grünen.

Mut und Ambitionen, das braucht unser Bildungsstandort!

Juli 2019

Wussten Sie, dass nur 90 Minuten Fahrzeit von Vorarlberg entfernt, in Konstanz, eine der besten Universitäten im deutschsprachigen Raum ist? Dabei hat die Geschichte der heutigen Elite-Universität Konstanz 1959 denkbar unspektakulär begonnen. Zu Beginn war es nicht mehr als eine fesselnde Vision und eine Skizze auf einem Schmierzettel. Auf diesem Zettel, so die Legende, wurde vom damaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Kiesinger Konstanz als Universitätsstandort vorgeschlagen. 
Und auch heute, 60 Jahre später, gibt es eine starke Vision. Eine Vision einer gemeinsamen europäischen Bildung. Eine Bildungseinrichtung, die starre Staatsgrenzen überwindet und einen gemeinsamen Abschluss anbietet: Das ist das Zukunftsbild einer europäischen Universität. 
Dieser Idee wird nun von der Europäischen Union Leben eingehaucht. Die EU stellt zusätzlich abrufbare Finanzmittel in Millionenhöhe für staatenübergreifende Bildungskooperationen zur Verfügung. Diesem Ruf sind schon einige grenzüberschreitende Regionen gefolgt. Bildungseinrichtungen aus Frankreich, Deutschland, Italien und Belgien arbeiten bereits aktiv an Kooperationsmodellen für eine gemeinsame Zukunft. 
Und auch die Bodensee-Region könnte dabei eine entscheidende Rolle spielen. Kaum ein Gebiet profitiert derart von einem vereinten Europa. Sei es wirtschaftlich, kulturell oder auch in Zukunftsfragen. Wir liegen nicht nur geographisch im Herzen Europas und exportieren unsere Produkte in die Länder Europas, wir brauchen auch die Fachkräfte Europas! Damit stehen wir im unmittelbaren Wettbewerb mit allen führenden Wirtschaftsregionen der Welt. 
Unsere Region punktet durch eine vielerorts noch intakte Umwelt, innovative Unternehmen und eine atemberaubende Vielfalt an Landschaften, vom Bodensee bis ins hochalpine Gelände. Auch das sind Standortfaktoren, die keinesfalls zu unterschätzen sind. Und doch gibt es auch Mankos. In Vorarlberg fehlen das Promotionsrecht und Forschungseinrichtungen, gerade im Bereich Post-Doc-Forschung. Eine gemeinsame europäische Universität ist deshalb eine einzigartige Chance für Vorarlberg. Unter Mitwirkung der bestehenden tertiären Bildungseinrichtungen wie der FH Dornbirn und der PH und in Kooperation mit Universitäten im angrenzenden Grenzgebiet kann es uns gelingen, ein Zukunftsprojekt in und für Vorarlberg zu schaffen.
Neben den positiven Auswirkungen für den Bildungsstandort durch völlig neue Möglichkeiten mit Doktorratsstudien, Forschungsangeboten und Ausbildungsmöglichkeiten für PädagogInnen sind auch kulturelle Impulse von einer europäischen Universität zu erwarten. Impulse, die wir brauchen, um attraktiv für zukünftige Generationen zu sein. 
Und das Beste daran, wir müssen nicht bei Null anfangen. Wir verfügen mit der internationalen Bodenseehochschule (IBH) bereits über ein multinationales, funktionierendes Netzwerk hervorragender Bildungseinrichtungen. Markus Rhomberg, der Geschäftsführer der IBH, hat diese Chance bereits in einer Thema Vorarlberg-Ausgabe ausgeführt. 
Uns muss eines klar sein: Die Themen der Zukunft wie die Mobilität, der demographische Wandel, der soziale Ausgleich, der Fachkräftemangel und der herannahende Klimakollaps machen vor keiner Grenze Halt. Nur gemeinsame Lösungen können Antworten auf die Fragen unserer Zukunft geben! Packen wir es an, denn unser Standort braucht Mut und Ambitionen! 

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