Andreas Unterberger

67, ist Kolumnist und schreibt seit sieben Jahren unter www.andreas-unterberger.at Österreichs meistgelesenen Internet-Blog. Er ist Jurist und hat zehn Jahre an der Universität Wien Politikwissenschaft vorgetragen. Er war 20 Jahre Außenpolitik-Journalist und 14 Jahre Chefredakteur von „Presse“ und „Wiener Zeitung“. Sein jüngstes Buch heißt „Schafft die Politik ab“.

Die spaßbefreite Nation

November 2018

 

Wir steuern in ein unerträglich verzopftes, altjüngferliches, spießiges Biedermeier hinein, in dem die Diktatur der Political Correct­ness immer schärfer wird. Ihr größtes Opfer ist die Meinungsfreiheit. Die Steuerzahler werden zwar weiterhin für arge Korruptionsdelikte zahlen müssen. Die nächste Generation wird zwar weiterhin die Folgen eines rücksichtlosen, grob fahrlässigen und in keiner Weise nachhaltigen Pensionssystems ausbaden müssen. Sie wird überdies auch die katastrophalen Folgen einer irreversibel gewordenen Islamisierung ertragen müssen. Das alles ist aber egal. Niemand, der daran schuld ist, wird jemals zur Rechenschaft gezogen werden. Politiker wie Juristen, die an all dem schuld sind, müssen keine Konsequenzen tragen. Die politische Höchststrafe gibt es hingegen für etwas ganz anderes: für die falsche „Gesinnung“, für blöde Witze und undurchdachte Bemerkungen.
Es gibt sie vor allem dann, wenn sich Krampffeministinnen über politisch inkorrekte Bemerkungen empören. Wie sie etwa dem roten Herrn Dornauer oder dem grün-schwarzen Herrn Dönmez entschlüpft sind. Ihre harm- und geschmacklosen Scherze sind für eine degenerierte Gesellschaft zu den wahren Verbrechen geworden.

Ist der politischen Klasse nicht bewusst, wie sehr sie sich mit ihren lächerlichen Aufregungen über Dornauer & Co. von den Menschen entfernt? Diese wissen nämlich zum Unterschied von den Berufspolitikern ganz genau, wo wirklich die schlimmen Dinge passieren. Unter all den Dingen, die in Österreich zu tadeln sind, stehen mit Sicherheit die blöden Sager von Dönmez oder Dornauer weit hinten an allerletzter Stelle. Und sie gehören überhaupt nicht mehr in diese Liste, seit sich die Herren ausdrücklich dafür entschuldigt haben. 

Wenn die SPÖ jetzt bei ihrem Parteitag nach Ursachen sucht, warum ihre Mitgliederzahlen seit den Kreisky-Jahren auf ein Viertel gefallen sind, dann sollte sie sich bewusst machen, dass ihre Spießigkeit eine (freilich nicht die einzige) Hauptursache dafür ist. Gerade die (früheren) SPÖ-Wähler fühlen sich nicht mehr wohl in einer Partei, die mehr einem strengen mittelalterlichen Frauenkloster als einer offenen Bewegung gleicht, bei der irgendjemand gern ein Stück des Weges mitgehen würde. Denn auch viele dieser einstigen SPÖ-Wähler machen bisweilen blöde Witze und sehen darin kein Kapitalverbrechen.

Ähnliches gilt auch für die ÖVP, die ihren Abgeordneten Dönmez wegen eines einzigen lächerlichen Satzes in einer schnell hingetippten Twitter-Meldung sogar gleich überhaupt hinausgeworfen hat. Die SPÖ hat Dornauer hingegen vorerst nur auf die Eselsbank gesetzt, aber nicht ganz eliminiert. Sie braucht ihn ja als letztes Aufgebot für die sieche Tiroler Partei. Umgekehrt würde auch die ÖVP Dönmez dringend brauchen – vor allem seine Sachkompetenz in Sachen Islamisierung. Aber Kompetenz ist wurscht. Wichtig ist nur engstirnige Politische Korrektheit, der nie ein blöder Satz entwischt.

Die konkreten Fälle der PC-Diktatur – die ja weit über die beiden hinausgehen – sind oft genug durch alle Medien gegangen, dass man sie nicht allzu detailliert schildern müsste.
Begreifen denn all die heuchlerischen Verurteiler dieser Aussagen und Scherze nicht, was sie anrichten? Sehen sie nicht die Umfragen, dass immer mehr Österreicher sagen, dass man in diesem Land seine Meinung nicht mehr frei sagen kann? Fällt ihnen nicht auf, dass sich in Österreich kaum noch jemand traut, einen Witz zu machen?

Ein Privatsender – ich glaube, es ist Puls 4 – hat es gewagt, eine ganze regelmäßige Sendung mit Witzen zu machen, gibt auch ein eigenes Buch mit den Witzen heraus. Und hat offenbar Riesenerfolg damit. Denn der Sender weiß offenbar, was die politisch korrekte Klasse vergessen hat: Es gibt ein Bedürfnis der Menschen nach solchen kleinen Grenzüberschreitungen, wie sie ein Witz oder ein Scherz halt sind. Denn natürlich gehen auch diese Fernsehwitze auf Kosten von irgendjemandem. Seien es die Schwiegermütter. Seien es die Burgenländer. Sei es Donald Trump oder Christian Kern. Die Menschen können wenigstens wieder einmal herzlich und befreit lachen – weil man zumindest daheim vor dem Fernsehapparat noch lachen darf (übrigens: Im ORF mit seinen stinklangweiligen Links-Comedians wäre eine solche Sendung völlig unvorstellbar). Daran ändert der Umstand nichts, dass fast alle gehörten Witze einen langen Bart haben, dass nur bisweilen die Namen ausgetauscht worden sind, dass halt die Burgenländer dort vorkommen, wo anderswo die Ostfriesen verspottet worden sind …

Auch jenseits der Witze sollten sich auch die jetzt so aufgeregt schnatternden Politiker (meist weiblichen Geschlechts) bei Rot, Schwarz und Grün bewusst werden: Politik ist halt ein Feld, wo oft harte Worte fallen. Politik ist kein Kindergarten und keine Klosterschule. Wäre sie das, müssten international alleine wegen Aussagen der letzten Tage eine ganze Reihe von Politikern zurückgetreten sein.
Ja, Politik ist oft grob. Aber solange es Worte sind, sollte man sie aushalten und gelassen bleiben. Wer die Hitze nicht aushält, sollte halt nicht in die Sauna gehen. Deren Hitze darf aber andererseits doch kein Grund sein, das Saunieren ganz zu verbieten!

Den ausführlicheren Artikel „Dornauer, Dönmez und die spaßbefreite Nation“ lesen Sie in Andreas Unterbergers Tagebuch auf www.andreas-unterberger.at

Kommentare

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Ich frage mich immer wieder, warum dem Herrn Unterberger in Ihrer ansonsten so guten Zeitung mit einer Kolumne so viel Platz beigemessen wird. Oft gehts in seinen Beiträgen lediglich um das zynische Hindreschen auf "die Linken", speziell die SPÖ (teils berechtigt, teils sehr kleinlich), oder wie in diesem Fall um "verweichlichte" Frauen, die halt die "nötige" Härte der Worte Ihrer männlichen Gegenparts nicht aushalten würden (zeichnet das wirklich unsere Gesellschaft aus?). Herr Unterberger bemerkt nicht, dass er sich genauso in diesem Erregungs-Thema sult, ohne auf die dringlichen Probleme Pensionen/Umwelt/Religiöser Fundamentalismus (in jeglicher Form) einzugehen (die er nur beläufig erwähnt oder weglässt). Steht die Kolumne des Herrn Unterberger für das "das wird man wohl noch sagen dürfen", hinter dem sich die Wirtschaftskammer verstecken kann?