
Ruhmgetippt: Gute Idee mit Wasserschaden
Wer in der Kreativbranche arbeitet, wird immer immer wieder mit der Frage konfrontiert: Woher nimmst du deine guten Ideen? Es hat sich eine ganze Industrie rund um das Ideenfinden gebildet: Bücher mit Kreativmethoden, Seminare und gar Substanzen haben aber, meiner Meinung nach, nicht viel damit zu tun, wie Ideen tatsächlich ent…
Telefon läutet. Nadine. Schau rauf, die Kinder streiten sich. Ich laufe hoch, greife ein. Warum ist Wasser im Stiegenhaus? Hat jetzt auch noch die Katze hingepinkelt? Otto, ab ins Zimmer! Warum ist der Flur nass? Blick ins Bad. Das Klo läuft über. Wasser steht drei Zentimeter hoch. Rinnt über die Schwelle ins Schlafzimmer. Ein Zentimeter auch dort. Handtücher. Barrieren. Wasser schöpfen. Badewanne staut zurück.
…stehen. John Cleese von Monty Python hat ein Büchlein herausgebracht mit dem Titel „Creativity: A Short And Cheerful Guide“, das ich schon zigfach gekauft und verschenkt habe. Darin spricht er mir aus der Seele: dass Ideen in einem ständigen Strom aus unserem Unbewussten hochgespült werden. Wir beschäftigen uns mit einem Thema, reichern unser Bewusstsein an, mit Konzepten und einer damit verbundenen kreativen Herausforderung. Und zuverlässig wie eine Kläranlage reinigt unser Unbewusstes unseren Input und macht seinen Job. Und siehe da: unerwartet, mitten in der Nacht, beim Radfahren, Duschen oder Zähneputzen, schickt es dann eine Idee zurück. Wenn man in einem Job arbeitet, in dem man Ideen auf Knopfdruck pro…
Wir schöpfen eine Stunde weiter. Nadine kommt dazu. Es tropft von der Garagendecke und der Fassade. Stromausfall. Es riecht nach geschmolzenem Plastik. Zählerkasten qualmt. 122. Hauptsicherung raus. Jetzt alle raus! Oh Gott, und das während des Umzugs. Sind wir überhaupt versichert?
…duzieren muss, hilft doch nur die Geduld. In Amerika gibt es die Redewendung „nine women can’t make a baby in one month“. Du programmierst also eine kreative Aufgabe, schickst sie an die Jungs und Mädels in der Fabrik des Unbewussten, und sie liefern nach getaner Arbeit eine Idee zurück. Im Trubel unseres Alltags merken wir: Ideen strömen oder zumindest tropfen uns stetig zu, aber wir müssen horchen und geduldig warten, damit wir sie auf ihren leisen Frequenzen empfangen kön…
Dämmerung. Wir vier sind draußen, durchnässt, frierend. Kanalservice. Elektriker. Polizei. Feuerwehr. Profis am Werk, wir wischen weiter. Taschenlampen. Zwei Stunden später: Akute Gefahr gebannt. Wir packen die Zahnbürsten und übernachten im Hotel. Schreckliche Rühreier. Zurück ins Haus. Das Parkett ist ruiniert. Der Estrich ist nass. Es tropft nicht mehr. Der Elektriker kann den Strom einschalten. Die Versicherung übernimmt den Schaden. Am Montag wird der Boden angebohrt und 10 Tage getrocknet. Und das im neuen Haus. Ja, wir können am Montag wieder hier arbeiten, schreibe ich dem Team.
…nen. In der Antike gab es das Konzept vom Daimonion (in Rom dann der Genius): Ideen galten als göttliche Eingebungen, die der Allgemeinheit gehörten. Die Kreativen wussten, das kam nicht von ihnen; sie verstanden sich als Medium, durch das die Ideen in unsere Welt kamen. Heute sprechen wir von geistigem Eigentum. Wie würde unsere Welt aussehen, wenn wir dem Fluss der Ideen wieder freien Lauf ließen? Keine Copyrights, kein geistiges Eigentum. Kaum vorstellbar. Oder doch?
P.S.: Diese Kolumne entstand vom 27. bis 29. März. Ihr Verfassen wurde durch einen Wasserschaden während des laufenden Umzugs in unser neues Haus in Koblach unterbrochen. Es sieht so aus, als ob alles wieder in Ordnung kommt. Danke allen Ersthelfern der Feuerwehr und Polizei Koblach, LKR Ländle Kanal Rohrreinigung, Zürich Versicherung und Elektro Buschta in Höchst.







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