Europa und die Welt

Und täglich grüßt das „Trump“eltier, dürfte bei vielen als erste gedankliche Assoziation auftauchen, wenn sie sich das aktuelle Weltgeschehen vor Augen führen: Erratische Zolldiskussionen, hemmungslose Grönlandbegierden, aber auch Reaktionen auf die Schrecken des ungenierten russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. Hinter all dem steht die Auflösung der regelbasierten Nachkriegsordnung, die uns jahrzehntelang gute Dienste erwiesen hat. Die Großmächte in Ost und West arbeiten inzwischen völlig ungeniert mit militärischen und wirtschaftlichen Mitteln an der Aufteilung der Welt nach ihren Interessen- und Einflusssphären. Für uns in Europa, genauso wie für viele andere Staaten, stellt sich damit die unausweichliche Frage: „Unterwerfen, arrangieren oder Suche nach alternativen Wegen?“
Ich meine, dass für Europa nur Letzteres gelten kann. Es gilt, sich neu zu orientieren, eigene Verteidigungsstärken gemeinsam und akkordiert aufzubauen und gleichzeitig nach Verbündeten zu suchen. Verbündete, die ebenfalls an einer regelbasierten, aber auch pragmatischen Ordnung interessiert sind, in der Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit sowie nachhaltige Entwicklung, Solidarität, Souveränität und territoriale Integrität geachtet werden und Maßstab des politischen und wirtschaftlichen Handelns sind. Diese potenziellen Verbündeten gibt es, wie wir nach der beeindruckenden Rede des kanadischen Premierministers Mark Carney, gehalten auf dem jüngsten Weltwirtschaftsgipfel in Davos, wissen. Europa muss dafür die Kraft entwickeln, die gemeinsame Außen- und Verteidigungspolitik zu stärken und gleichzeitig nationale und regionale Befindlichkeiten zurückzunehmen. Nur dann wird die europäische Zukunft nicht Unterwerfung unter das Recht des Stärkeren heißen. 

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