Gute Gestaltung miteinander

Und vielleicht müsste man ergänzen: füreinander. Beim Wort Gestaltung möchte ich bewusst einmal aus der Welt beziehungsweise der Blase des Designs heraustreten. Gestaltung betrifft nicht nur Produkte, Marken oder Dienstleistungen. Gestaltung prägt auch unser Zusammenleben – wirtschaftlich, gesellschaftlich und global. Wir sprechen oft von Unternehmenskultur. Aber was bedeutet Kultur in diesem Zusammenhang eigentlich? Nur Effizienz, Wachstum und Wettbewerb? Oder auch Verantwortung und der Umgang miteinander – mit Mensch, Tier und Natur? Der Publizist Wolf Lotter schreibt: „Wohlstand entsteht dort, wo Menschen beitragen können.“
Dieser Gedanke beschäftigt mich. Denn vielleicht entsteht echter gesellschaftlicher Mehrwert genau dort, wo Menschen, Natur und Zukunft gemeinsam mitgedacht werden. Und was macht es mit uns, wenn Wohlstand plötzlich verteidigt werden muss? Gegen wen eigentlich? T.C. Boyle beschreibt in América, wie aus Angst langsam Abgrenzung wird.
Dabei gäbe es vielleicht auch andere Modelle. Warum nicht Menschen, die sehr viel besitzen, stärker in konkrete Verantwortung einbinden? Nicht nur über Steuern, sondern über direkt unterstützte Projekte – sozial, kulturell oder ökologisch. Demokratisch ausgewählt und dennoch persönlich mitgetragen.
Oder kleine Zeichen im Alltag: Ein Hauben-Restaurant in Montreux reserviert einen Tisch für Menschen, die bezahlen, was sie können oder haben. Alle anderen zahlen die Vollpreise. Eine einfache Idee – und doch verändert sie etwas im Denken. Und ich formuliere diese Gedanken nicht von außen. Ich bin selbst Teil dieser Widersprüche, unserer Konsumwelt und der Leistungsgesellschaft. Vielleicht zeigt sich gute Gestaltung genau dort: ob wir Mauern bauen – oder Verbindung schaffen.

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