Hans-Peter Metzler

Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg, Herausgeber „Thema Vorarlberg“

(Foto: ©Markus Gmeiner)

Auch eine Frage der Stärke

Juli 2021

Nach Monaten der Pandemie darf Erfreuliches vermeldet werden: Wie österreichische Wirtschaftsforscher dieser Tage verlautbarten, gehe der Aufschwung „schneller als erwartet“ vor sich; man rechne mit hohen Wachstumsraten und werde bald wieder das Vorkrisenniveau erreichen. Und das sind gute Nachrichten, sie stärken den Optimismus, sie künden vom Aufbruch und von neuen Chancen. Und obwohl wir uns vor der naiven Illusion hüten sollten, anzunehmen, die Krise sei bereits ausgestanden, sollen die Prognosen der Wirtschaftsforscher Anlass sein, erstmals auch mit positivem Unterton zurückzuschauen, auf die vergangenen Monate dieser beispiellosen Belastung. 
Denn vieles von dem, was zuvor lediglich diskutiert worden war, hat sich in der Pandemie bestätigt; wie wichtig Wachstum ist, wie wichtig ein starker Wirtschaftsstandort Vorarlberg mit einer stark diversifizierten Wirtschaft ist, wie notwendig ein gemeinsames Agieren ist – und wie gut und entschlossen Land und Leute in Vorarlberg die Zumutungen dieser Pandemie bislang gemeistert haben. Geschuldet ist das auch dem landeseigenen Pragmatismus, auf neue Herausforderungen mit kühlem Kopf und damit adäquat zu reagieren. 
Natürlich bleibt vieles zu tun; aber die Krise hat, wie jüngst Trendforscher Franz Kühmayer sagte, nicht nur die Schwächen, sondern eben auch die Stärken gezeigt – Stärken, die gerade in Vorarlberg ein solides Fundament für das Kommende darstellen. Auch das muss uns bewusst sein. Gezeigt hat sich in diesen Monaten aber auch, wie zukunftsrelevant Themen wie Nachhaltigkeit, Regionalität und Digitalisierung sind. Gerade die Bedeutung dieser Themen ist noch sichtbarer geworden. Diese neue Sichtbarkeit als Auftrag zu sehen und entsprechend zu handeln, das wird Aufgabe sein, damit Vorarlberg aus dieser Krise letztlich sogar gestärkt herausgehen kann. Die gemachten Erfahrungen nutzen, um Wettbewerbsvorteile zu lukrieren, aber auch um Resilienz und damit die Sicherheit zu gewinnen, sich dem, was da kommt, aus einer Position der Stärke heraus stellen zu können, das wird entscheidend sein für unsere Zukunft. 
Zum Auftakt des Diskurses, im Jänner 2019, hatte Wirtschaftsvordenker Anders Indset ein bemerkenswertes Referat gehalten und dabei den dänischen Philosophen Kierkegaard zitiert, respektive dessen berühmten Satz, wonach man das Leben nur rückwärts verstehen könne, aber vorwärts leben müsse. Heute scheint dieser Satz von Kierkegaard eine ideale Beschreibung der gegenwärtigen Situation zu sein. Wir haben aus den gemachten Erfahrungen zu lernen, aber unseren Blick eben auch in die Zukunft zu richten. „Zeitenwenden“, sagt Trendforscher Kühmayer, „sind immer auch ein Anfang.“ Die Kraft dazu haben wir. Gehen wir’s an!

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