Hans-Peter Metzler

Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg, Herausgeber „Thema Vorarlberg“

(Foto: ©Markus Gmeiner)

Die Botschaft annehmen

Oktober 2021

Mit Corona und der immer vehementer geführten Klimawandel-Debatte ist auch die Zeit der Hysteriker und der Leugner gekommen, und die Aufgabe, zwischen diesen beiden Polen der Gesellschaft den Weg der Zukunft zu gehen, ist damit nicht eben leichter geworden. Aber eines ist gewiss: Es wird die mutige, die optimistische Mitte sein, die unter breiter Einbindung von Wirtschaft und Gesellschaft den Weg ebnet. Sich der Herausforderung bewusst zu sein und den Willen zu haben, das Kommende zu gestalten, das wird entscheiden.
Matthias Horx hatte in einem Interview vor Jahren einmal davon gesprochen, dass Angst wichtig sei, weil sie auf zukünftige Herausforderungen hinweise, und den Menschen damit mobilisieren könne. Ein Ausufern der Angst allerdings könne fatale Folgen haben: „Dann werden negative Prognosen zu gefährlichen, zu selbsterfüllenden Prophezeiungen.“ Horx hatte damit, seiner Profession als Zukunftsforscher entsprechend, die heutige Gegenwart beschrieben, als Optimist allerdings noch einen entscheidenden Satz angefügt: „Wohl dem, der eine Krise hat – und ihre Botschaft annimmt!“ 
Die Botschaft annehmen? Es ist nichts weniger als das. Wir haben die Botschaft anzunehmen, wir haben aus den gegenwärtigen Bedrohungen unsere Lehren zu ziehen, aus der Pandemie und aus dem Klimawandel. Den richtigen Weg zu gehen, Schritt für Schritt, im Wissen um unsere Stärken, aber auch in Kenntnis unserer Schwächen, das ist unser Auftrag und gleichzeitig auch die einzige Möglichkeit, die Zukunft in unserem Sinne gestalten zu können. Mitunter heißt es: Zukunft ist das, was wir daraus machen. Es ist diese Erkenntnis, die in ein dringend benötigtes Narrativ einfließen sollte, in ein positives Narrativ, in eine Geschichte der Zuversicht. Angst, um nochmals mit Horx zu sprechen, heißt Lähmung. Zuversicht heißt Kraft. Ein zuversichtlicher Bergsteiger mag in einer nebligen Umgebung den Gipfel vielleicht nicht sehen. Aber er bezieht aus seiner Zuversicht die Kraft, den Weg weiterzugehen. Er leugnet die Anstrengung nicht, er überdramatisiert sie aber auch nicht. Und stehenzubleiben oder gar umzukehren, das sind keine Optionen für ihn. Es ist ein bisschen wie bei Wolf Lotter, der in einem Interview einmal geraten hatte, man solle „entspannter, nüchterner mit den großen Zeitfragen umgehen“. Lotters damaliger Ratschlag ist wohl auch ein Ratschlag dieser Tage: „Mach aus dem, was kommt, das Beste!“ Soll heißen: Es ist die gute Zukunft – wenn wir denn wollen.

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