Hans-Peter Metzler

Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg, Herausgeber „Thema Vorarlberg“

(Foto: ©Markus Gmeiner)

Auf das Wesentliche konzentrieren

November 2021

Die politischen Erschütterungen der vergangenen Tage und Wochen sind aufzuarbeiten und umfänglich aufzuklären, das steht außer Frage. Und doch ist den Parteien kollektiv zu raten, schnellstmöglich wieder zum Wesentlichen zurückzufinden und sich mit Vehemenz um das zu kümmern, was da auf uns zukommen wird. Um es deutlich zu sagen: In diesem Jahrzehnt der Entscheidungen nur die eigenen politischen Befindlichkeiten zu pflegen, das wird der Dramatik der Situation nicht gerecht.
Weder ist die Pandemie ausgestanden, noch sind Themen wie Dekarbonisierung oder Digitalisierung auch nur rudimentär beantwortet, noch sind Antworten gefunden auf all die sozialen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen und Verwerfungen, die sich am Horizont überdeutlich abzeichnen. Entweder geben wir die Antworten. Oder die Antworten werden uns von anderen gegeben, in dieser immer schneller, immer komplexer, immer globaler und vernetzter werdenden Welt. Fred Luks, ein Transformationsforscher, hatte dieser Tage in Vorarlberg in aller Deutlichkeit gesagt, dass wir uns nicht aussuchen können, ob es den Wandel gibt. Denn den Wandel gibt es, ohne uns oder mit uns. Was wir laut Luks aussuchen können, ist daher nur Folgendes: „Ob wir den Wandel erleiden – oder ihn gestalten.“ 
Die Politik hat das zu erkennen und hat sich auch deswegen endlich davon zu verabschieden, in Österreich jedes Thema – ungeachtet der jeweiligen Bedeutung – zu einem Politikum zu machen. Die Politik hat den Kampf der besten Argumente zu führen, aber ähnlich einem guten Unternehmer endlich auch eine langfristige Perspektive zu finden. Und eine Konsequenz der jüngsten Skandale muss sein, dass sich die Politik wieder daran erinnert, wie notwendig Integrität ist, um das Vertrauen der Menschen in demokratische Entscheidungen und Institutionen wieder aufzubauen und nicht weiter zu unterminieren. Demokratie lebt von der Mitwirkung der Menschen. Und es wird die Mitwirkung möglichst vieler brauchen, um die Zukunft nicht zu verlieren, sondern zu gewinnen.      

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