Sie sind hier

Die Neuvermessung

Die Zukunft wird zur Gegenwart, gestern Undenkbares ist heute Realität und morgen bereits veraltet: Die Digitalisierung prägt Gesellschaft und Wirtschaft, umfassenden Änderungen werden weitere folgen, immer radikaler, immer komplexer, immer schneller. Forscher am Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut sagen: „Nicht weniger als ein fundamentaler Systemwechsel steht bevor, es kommt zu einer Neuvermessung der Welt.“

Wichtig wäre es da, aus einer unbewussten in eine bewusste Inkompetenz zu kommen: sich also bewusst zu werden, dass man nichts weiß, sich damit aber auch bewusst zu sein, dass sich da etwas Gigantisches, etwas historisch Beispielsloses immer schneller fortschreibt. Die Welt wird sich ändern, in allen Bereichen. Neues wird in heute unüberschaubarem Ausmaß auf uns zukommen, die Digitalisierung wird exponentiell zunehmen. Exponentiell?

Einer Legende zufolge sollte in Indien einst der Erfinder des Schachbretts vom König belohnt werden. Der Mann dürfe sich, soll der König gesagt haben, etwas wünschen. Er wolle auf einem Schachbrett mit seinen 64 Feldern nur mit Weizenkörnern belohnt werden, antwortete der Erfinder – auf dem ersten Feld ein Korn, auf dem zweiten zwei Körner, auf dem dritten vier und für jedes Feld stets doppelt so viele Körner wie das vorhergehende. Der König soll zugestimmt haben. Seine spätere Reaktion ist nicht überliefert: Denn in Summe ergäben sich etwa 18,45 Trillionen Weizenkörner. Was daran liegt, dass die Summe mit jedem weiteren Feld nicht linear, sondern exponentiell wächst – ebenso wie die Anzahl der Transistoren auf einem Chip seit 1965 etwa alle zwei Jahre.

Das Zeitalter der Digitalisierung ist das Zeitalter exponentieller Entwicklungen, sagen Experten – und sie sagen auch, dass diese exponentiellen Entwicklungen überfordern. „Diese Art des Denkens“, heiß es jüngst in einem Fachblatt, „ist Menschen wesensfremd, weil wir exponentielles Wachstum aus Natur und Alltag nicht gewohnt sind. Unser Denken ist linear, wir sind umgeben von linearen Prozessen.“

Doch sollen wir deswegen mutlos sein? Nein! Wagen wir den Mutausbruch! Der Zug der Digitalisierung ist längst angefahren und wir müssen – um bei diesem Bild zu bleiben – danach trachten, aus einem der hinteren Wagons möglichst weit nach vorne zu kommen, um nicht Gefahr zu laufen, irgendwann abgekoppelt zu werden. Trauen wir uns aus der momentanen Behaglichkeit eines hinteren Wagons nach vorne! Es hat noch jede Zeit ihre Veränderungen gebracht. Sich der Zukunft zu verschließen, war aber noch nie ein probates Mittel.

05.05.2018

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?: 
gar nicht gut
sehr gut

Neuen Kommentar schreiben

To prevent automated spam submissions leave this field empty.

Leserbrief

Wir wollen Ihren Standpunkt wissen. Diskutieren Sie mit, schreiben Sie uns.

Unsere Leser finden diesen Artikel

gar nicht gut
0
sehr gut

Hans-Peter Metzler

Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg, Herausgeber „Thema Vorarlberg“

(Foto: ©Markus Gmeiner)

Mehr von Hans-Peter Metzler

19.08.2018
15° / 30°
So, 19.08.2018 Vorarlberg
  • 20.08.2018
    Mo
    18°
    30°
  • 21.08.2018
    Di
    18°
    31°
  • 22.08.2018
    Mi
    17°
    30°
  • 23.08.2018
    Do
    16°
    30°
  • 24.08.2018
    Fr
    17°
    30°
Hier alle Ausgaben als E-Paper online lesen.