Hans-Peter Metzler

Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg, Herausgeber „Thema Vorarlberg“

(Foto: ©Markus Gmeiner)

Schema F hat ausgedient

März 2019

Die Digitalisierung hat nicht nur eine technische Seite, sie hat auch eine kulturelle Seite – und im Übergang von der alten in die neue Welt ist beidem Rechnung zu tragen. „Arbeiten, Lernen, Kommunizieren, selbst das Leben – alles wird sich ändern“, sagt beispielsweise Managementexperte Fredmund Malik, „wir erleben den Übergang in eine hochkomplexe Gesellschaft.“ In dieser Welt in Bewegung werden sich also zwangsläufig auch Führung und Management wandeln, werden traditionelle, starre Konzepte neuen flexiblen Formen weichen. Was gestern regelmäßig Erfolg brachte, ist heute kritisch zu hinterfragen. 

Denn alte Rezepte folgten vielfach der Annahme, dass die Welt berechenbar ist. Doch ist heute alles vielschichtiger geworden, komplexer, schneller. Fortschritt ist nicht mehr beliebig prognostizierbar. Die Technologie wächst exponentiell. Veränderungen schreiben sich in einem Ausmaß fort, das nicht abschätzbar und für einen einzelnen Menschen schon längst nicht mehr überblickbar ist. Wirtschaftsvordenker Frédéric Laloux greift diesen Punkt auf. Ihm zufolge wird die Pyramidenstruktur in Unternehmen zu einem Engpass und die einzige Alternative dazu ist die Struktur der verteilten Autorität. 

Das menschliche Gehirn mit seinen 85 Milliarden Zellen und weitaus mehr Verknüpfungen funktioniere ja auch ohne Leitungsgremium und ohne mittlere Führungsebene, sagt der Wirtschaftsvordenker. Und nur schwer könne man sich vorstellen, „dass eine Zelle sagt, ich bin der CEO. Jeder wichtige Gedanke muss von mir und den sechs Zellen, die ich für mein Leitungsgremium bestimmt habe, genehmigt werden“. Lalouxs zentraler Satz: „Hierarchie kann mit Komplexität nicht umgehen.“ Nun haben in Vorarlberg erste Unternehmen bereits gute Erfahrungen mit verteilten Autoritäten gemacht, in einem Fall kompensieren mehrere einen Manager, der zuvor allein entschieden hatte, das Ganze sei ein Erfolg, heißt es.
Der einzelne Mitarbeiter wird künftig mehr Verantwortung zu tragen haben. In einer Welt, in der immer mehr Routinetätigkeiten automatisiert werden, wird der kreative, der initiative Mensch in den Vordergrund rücken. Für diese kulturelle Seite des Wandels ist aber auch ein entsprechendes Bewusstsein zu schaffen. Vor allem in der Bildungspolitik: Junge Menschen müssen ermächtigt werden, selbstständig zu denken und eigeninitiativ zu sein; sie müssen Verantwortung übernehmen können und wollen. Mit purem Konformismus und vorbereitetem Denken wird sich das Kommende nicht bewältigen lassen, zu umfangreich werden die Änderungen sein. Schema F hat ausgedient. Lasst uns das als Chance begreifen!

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