Hans-Peter Metzler

Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg, Herausgeber „Thema Vorarlberg“

(Foto: ©Markus Gmeiner)

Vom Nutzen der Mitte

November 2019

Der Diskurs, der mit breiter Beteiligung der Unternehmerschaft die Weichen stellt in Richtung Zukunft, ist um ein Thema bereichert worden, um das der Nachhaltigkeit. Wobei Nachhaltigkeit richtig zu verstehen ist, sprich als Politik- und Gesellschaftsmodell, in dessen Rahmen die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft, die soziale Frage und die Natur bestmöglich in Einklang gebracht werden. Nun ist das Thema der Nachhaltigkeit in Vorarlberg nicht neu. Es wird nur in der polarisierenden, öffentlichen Debatte regelmäßig verschwiegen, dass viele Vorarlberger Unternehmen seit Jahren schon nachhaltige Wege gehen und das auch mit Erfolg. Sie haben den gemeinsamen, nachhaltigen Weg gesucht – und gefunden. Und anzuerkennen, dass im Land insgesamt schon viel getan worden ist, weit mehr als in anderen Ländern, das stünde auch jenen Kräften ganz gut zu Gesicht, die sich derzeit nur in der Polarisierung üben. Es ist immer einfacher, etwas Trennendes als etwas Gemeinsames zu definieren und den Konflikt zu schüren als den Kompromiss zu suchen. 
Aber es ist die Mitte, die unser Land stark gemacht hat, und es kann nur die Mitte sein, die Vorarlberg in die Zukunft führt. Soll heißen: Die Klimadebatte muss von den Rändern der Gesellschaft in die Mitte geführt werden, um Lösungsmöglichkeiten erarbeiten zu können, die Wirtschaft, Gesellschaft und Natur gleichermaßen berücksichtigen. Natürlich sind auch wirtschaftliche Konzepte neuen Entwicklungen anzupassen, und es steigen die Anforderungen in dieser Welt im Wandel. Aber klar ist eben auch: Eine Lösung kann nur mit der Wirtschaft und nicht gegen die Wirtschaft erfolgen. Denn Wirtschaft und Gesellschaft sind untrennbar miteinander verbunden. Die Wirtschaft ist die Basis unseres Wohlstandes. 
Der Psychologe Johann Beran schrieb einmal, dass sich ein bedenklicher Trend in der Gesellschaft breitgemacht habe: „Die Menschen reden übereinander statt miteinander.“ Wird das zur Regel, wird es fatal. Es ist bei uns noch besser, es findet bei uns durchaus noch ein Austausch gegensätzlicher Meinungen statt. Aber der Dialog ist in jedem Fall zu stärken, um gemeinsam die nächsten Schritte setzen zu können – in jener unaufgeregten, aber zielgerichteten Art, die man den Vor­arlbergern ja so gerne bescheinigt.

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