Hans-Peter Metzler

Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg, Herausgeber „Thema Vorarlberg“

(Foto: ©Markus Gmeiner)

Was in Erinnerung bleibt

September 2020

Vor Corona hatten bestimmte Kräfte in der Gesellschaft keine Gelegenheit ausgelassen, um lautstark zu propagieren, dass die Wirtschaft nicht mehr als ein Selbstzweck und ohnehin ein Selbstläufer sei. Mit Corona sind diese Stimmen weitgehend verstummt. Denn mit der Pandemie ist einer breiteren Masse bewusst geworden, was vor allem die lokale Wirtschaft ist und was sie bedeutet; einer breiteren Masse ist bewusst geworden, dass Wirtschaft und Gesellschaft eben in der Tat unteilbar sind. Vor Corona, so könnte man sagen, hatte sich niemand vorstellen können, was ein Stillstand der Wirtschaft für die Gesellschaft bedeutet, mit Corona hat sich das quasi selbst erklärt. 
Im „Spiegel“ fand sich da vor kurzem ein guter Kommentar, in dem sarkastisch angemerkt wurde, dass Corona schaffe, „wovon Wachstumskritiker seit Langem träumen: Die Wirtschaft schrumpft.“ Doch führe das nicht, wie von „Schönwetter-Philosophen“ behauptet, dazu, dass die Menschen ein glücklicheres Leben führen würden. „Nein“, schrieb der Journalist, „weniger ist weniger.“ Daraus sind die entsprechenden Schlüsse zu ziehen, auf allen Ebenen. Natürlich hat Corona dramatische Fehlentwicklungen der globalisierten Welt aufgezeigt, die es mit vereinten europäischen Kräften zu korrigieren gilt. Aber auf lokaler Ebene ist wirtschaftlichen Belangen und Unternehmertum künftig mehr Wertschätzung entgegenzubringen. Lokale Kreisläufe und lokale Wertschöpfung sind noch stärker als bis dato zu forcieren – es gilt, sich auch in der Zeit nach Corona bewusst zu sein, was ein starker Wirtschaftsstandort in Krisenzeiten wert ist. Um den Satz des Spiegel-Journalisten noch zu ergänzen: Weniger Wirtschaft sind weniger Arbeitsplätze, weniger Wirtschaft ist weniger Wertschöpfung, weniger Wirtschaft ist weniger Wohlstand. 
Wenn also nach Corona wieder einmal ein hiesiges Familienunternehmen am Standort Vorarlberg erweitern und damit Arbeitsplätze und Wertschöpfung in der Region schaffen will, dann sollte, dann muss man in einer Beurteilung des Projekts auch die damit verbundene Stärkung des Wirtschaftsstandorts Vorarlberg ins Kalkül ziehen. Es werden alle gefordert sein, damit uns diese Erkenntnis auch nach Corona erhalten bleibt. Wobei Hoffnung besteht. Die Pandemie und die damit verbundenen Verwerfungen, der Stillstand des Lebens, sie werden in Erinnerung bleiben. Und ein altes Sprichwort besagt ja, dass vergessen oft schwerer ist, als sich zu erinnern. 

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