Kunstmanager, Publizist und Gastprofessor an der Universität für angewandte Kunst Wien
Gerald A. Matt
Das Comeback der lieben Grüße
Seit seiner Studentenzeit schreibt Gerald Matt Postkarten an sich selbst, die inzwischen zu einer umfangreichen Sammlung, zu einer Art Reisetagebuch mit kurzen Anekdoten und Erlebnissen angewachsen sind. Matt interessiert sich auch für die Geschichte der Postkarte und ist fest vom Comeback dieses ein wenig aus der Mode gekommenen Kommunikationsmittels überzeugt.
Denn für ihn manifestiert sich in der Postkarte ein poetischer Widerstand zur rasenden Kommunikation unserer Tage. Voltaire sah bereits voraus: „Die Post ist die Trösterin des Lebens, denn sie verwandelt Abwesende in Gegenwärtige.“
„Ohne Engel und Dämonen im Kopf kann man kein Künstler sein“
Marilyn Manson, in erster Linie als Skandalrocker bekannt, beschäftigt sich in seiner eindringlichen, zwischen Sensibilität und Aggression changierenden bildnerischen Arbeit mit Themen und Motiven der Gewalt und des Bösen, mit Verbrechen, Schmerz, Verlust und Verzweiflung. Gerald A. Matt traf Marilyn Manson mehrfach zu Gesprächen und führte unter anderem ein Interview mit ihm über Gott, Kunst und die Welt. Matt kuratierte auch mehrere Ausstellungen mit malerischen und zeichnerischen Arbeiten von Marilyn Manson.
Hommage an Kurt Kalb
1935 als Sohn des Vorarlberger Installateurmeisters Erwin Kalb geboren, wurde Kurt Kalb eine der schillerndsten Persönlichkeiten der jüngeren österreichischen Kunstgeschichte, der als Kunsthändler und Galerist die Wiener Kunstszene, insbesonders die Aktionisten, und später auch Künstler wie Beuys und Kippenberger förderte und prägte. Kalb machte sich 1955 selbstständig. 1972 eröffnete er in Wien die legendäre Galerie Grünangergasse, aus der später die Galerie Kalb in der Bäckerstraße wurde. 1974 lernte Kurt Kalb die Kunsthistorikerin Evelyn Oswald kennen und gründete gemeinsam mit ihr das mittlerweile genauso legendäre Künstlerlokal „Oswald & Kalb“. Seit geraumer Zeit hat sich Kurt Kalb ins ländliche Oed zurückgezogen. Bei seinen raren Besuchen Wiens erweist er sich nach wie vor als scharfsinniger Beobachter der Wiener Kunstwelt und grandioser Geschichtenerzähler, der bei aller Fabulierlust ein Mann voller Geheimnisse geblieben ist. Kurt Kalb erhielt das Goldene Ehrenzeichen des Landes Wien. Das folgende Gespräch und der von Kurt Kalb geschriebene Lebenslauf seien als Hommage an eine große (Vorarlberger) Persönlichkeit verstanden.
„Unmögliches darf man von niemandem verlangen“
Diesmal unterhielt sich Gerald Matt mit Bundespräsident Heinz Fischer, der als Vollblutpolitiker ein Leben in der Politik und für die Politik verbracht hat. Er hat nahezu alle wichtigen Ämter dieses Staates bekleidet: zuerst Clubsekretär, dann Abgeordneter im Parlament, Clubobmann der SPÖ, Wissenschaftsminister, stellvertretender Parteivorsitzender der SPÖ und Parlamentspräsident. Seit 2004 ist Fischer Bundespräsident. Heinz Fischer ist Politiker und, das ist ja heute in der Politik eine Seltenheit geworden, auch Intellektueller. Sein Leben und seine Karriere sind ein Spiegel der Geschichte der zweiten Republik. Und Heinz Fischer versteht zu erzählen.




