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Allein heuer bebte die Erde in Vorarlberg 33 Mal

Von schweren Erdbeben ist Vorarlberg im Laufe der Geschichte verschont geblieben, trotzdem beeindruckt die Zahl der 2018 registrierten Beben. Seismologin Christiane Freudenthaler-Pascher vom Erdbebendienst der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) erklärt das Phänomen.

Genau 33 Erdbeben hat der Erdbebendienst der ZAMG mit seinem Messnetz in den ersten Monaten des laufenden Jahres in Vorarlberg registriert. Eine überraschend hohe Zahl. Der Großteil der verzeichneten Beben lag allerdings unter der Fühlbarkeitsgrenze, von der Vorarlberger Bevölkerung wurden heuer vier Erdbeben deutlich gespürt: Am 8. Jänner in der Silvretta/Bielerhöhe, am 17. Jänner und am 1. Februar in Wald am Arlberg sowie am 22. Februar in Dalaas. Christiane Freuden­thaler-Pascher, Seismologin beim Erdbebendienst der ZAMG, erklärt: „Die beiden Beben in Wald am Arlberg wurden mit einer Epizentralintensität von fünf Grad auf der zwölfstufigen Europäischen Makroseimischen Skala* verspürt. Das bedeutet, dass die Erdstöße in Österreich in einem Umkreis von etwa 50 Kilometern von der Bevölkerung wahrgenommen wurden.“ Laut der Seismologin waren im Bereich rund um das Lechquellengebirge wie in Bludenz und im Klostertal die Erdstöße bei beiden Beben stark fühlbar: „Es wurde von umgefallenen Gegenständen berichtet und teilweise traten auch leichte Gebäudeschäden wie Haarrisse im Verputz auf. Einige Personen empfanden die Vibrationen als beängstigend und flüchteten ins Freie. Die Beben wurden auch in Tirol, in der Schweiz und in Deutschland wahrgenommen“, sagt Freudenthaler-Pascher und erklärt, dass sich auch Dutzende lokalisierbare Nachbeben ereigneten, die jedoch unterhalb der Fühlbarkeitsgrenzen lagen.

Stärkstes Beben im Mai 1992

„Durchschnittlich wird in Vorarlberg drei bis vier Mal pro Jahr ein Erdbeben wahrgenommen. Dazu zählen oft Erdbeben aus Tirol und dem angrenzenden Ausland – hauptsächlich der Schweiz.“ Nur alle 30 Jahre ereignet sich laut der Expertin ein Erdbeben, das zu leichten Gebäudeschäden führt. Von schweren Beben ist Vorarlberg auch im Laufe der Geschichte verschont geblieben. Das erste bekannte Beben in Vorarlberg ereignete sich am 27. Dezember 1771 in Riezlern mit der Intensität sechs Grad auf der EMS-98. Seitdem wurden in Vorarlberg insgesamt rund 150 Erdbeben verspürt. Am stärksten wurde das Beben vom 8. Mai 1992 mit einer Intensität von sechs bis sieben Grad EMS-98 in Feldkirch wahrgenommen. „Historisch sind vor allem aus dem Rheintal einige stärkere Erdbeben mit Intensitäten größer fünf Grad EMS-98 bekannt, auch der Bereich des Arlbergs ist immer wieder von Beben betroffen“, weiß die Seismologin. Als Beispiel führt sie das Beben bei Lech im Jahr 1996 mit einer Intensität fünf Grad EMS-98 an.

„Spullerseestörung“ im Klostertal

Wie lassen sich nun aber die 33 registrierten Erdbeben in den ersten Wochen dieses Jahres erklären? „In den vergangenen Monaten war eine Störungszone im Bereich des Klostertals – die sogenannte Spullerseestörung – aktiv. Die Gebiete Dalaas, Wald am Arlberg und Klösterle sind davon betroffen“, erklärt die Expertin. Bebensequenzen gab es demnach auch 2000 und 2003 in Warth am Arlberg sowie 2016 in Klösterle. „Solche Bebensequenzen stellen in Vorarlberg nichts Außergewöhnliches dar, ihre Entwicklung lässt sich jedoch nicht vorhersagen. In der Regel enden diese Aktivitäten nach einigen Wochen, in seltenen Fällen können Bebensequenzen mit der Zeit an Stärke und Anzahl zunehmen.“

Interessant ist aber die Frage nach der Ursache der Erdbeben in Vorarlberg. Diese und die Beben im gesamten Alpenraum stehen laut Christiane Freudenthaler-Pascher im Zusammenhang mit den großräumigen Bewegungen der afrikanischen und europäischen Kontinentalplatten, die eben auch für die Bildung der Alpen verantwortlich sind: „Dabei drückt die afrikanische gegen die europäische Platte, und dort wo die beiden Platten zusammentreffen, schieben sich die Gesteinsschichten in- und übereinander und falten sich auf. Durch diese Bewegungen werden Spannungen in der Erdkruste aufgebaut, die sich in Form von Erdbeben wieder lösen.“ Und das ist bis nach Vorarlberg spürbar.

*EMS-98 beschreibt die Auswirkungen eines Bebens

03.03.2018

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