Hans-Peter Metzler

Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg, Herausgeber „Thema Vorarlberg“

(Foto: ©Markus Gmeiner)

Das Spiel der Populisten

Mai 2019

Am 26. Mai wählt Österreich seine Abgeordneten für das Europäische Parlament und es beginnt damit wieder die Zeit, in der bestimmte Politiker den Menschen weismachen wollen, dass sich nur mit einer Rückkehr zum Nationalismus große Probleme lösen ließen. Das ist so unverantwortlich wie falsch: Gerade in der von Unsicherheit geprägten globalisierten Welt bietet nur ein geeintes Europa den Europäern Sicherheit und Stabilität. Nur gemeinsam lässt sich bewältigen, was sich im Alleingang nie bewältigen ließe. Von Timothy Snyder, einem Historiker, stammt das Zitat: „Der Trick, der hier angewandt wird, funktioniert, indem den Europäern erzählt wird: Lasst uns zurückkehren zu einer bequemen Vergangenheit. Die EU zu verlassen, bedeutet aber tatsächlich, in eine völlig unklare Zukunft zu gehen.“
Europa hat Frieden und Wohlstand gebracht. Österreich hat vom EU-Beitritt immens profitiert. Das Exportvolumen der Vorarlberger Wirtschaft hat sich seit dem Beitritt mehr als vervierfacht. Und wer das nicht positiv wertet, ignoriert die Tatsache, dass Wirtschaft und Gesellschaft untrennbar miteinander verbunden sind. In unserem Bundesland, nur um ein Beispiel zu nennen, hängt jeder zweite Arbeitsplatz direkt oder indirekt vom Export ab. Auch an den Freiheiten, die der Einzelne gewonnen hat, ist die europäische Idee zu messen. Wer von der Wiedererrichtung innereuropäischer Grenzen träumt, hat bestenfalls einen begrenzten Verstand, man kann es nicht anders sagen.
Natürlich ist vieles in Europa zu diskutieren, und ist die jetzige Form der Zusammenarbeit nicht die ideale. Aber das Große und Ganze darf doch deswegen nicht infrage gestellt werden, ganz im Gegenteil. In einem Artikel in der „Süddeutschen Zeitung“ war in diesem Zusammenhang zu lesen: „Die Europäer sollten sich auch einmal von außen betrachten, um zu erkennen, wie sehr sie bereits jetzt einander Heimat sein könnten, wenn sie sich solidarisch fühlten, statt sich ausein- anderdividieren zu lassen. Wie sehr dieses Europa einen Raum schützt, in dem Heimatgefühle auch in Zukunft möglich sind.“ Die eigene Identität zu wahren und gleichzeitig ein Teil Europas zu sein, das ist kein Widerspruch. Nicht einmal ansatzweise. Es ist nur das billige und unverantwortliche Spiel der Populisten, so zu tun, als sei das unvereinbar.

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