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Falsche Polizisten ergaunern mehr als 100.000 Euro

In bereits drei Fällen Bargeld und Wertgegenstände von älteren Seniorinnen erschlichen – Täter geben sich am Telefon als Polizisten aus und bieten „vorsichtshalber“ die Verwahrung von Bargeld und Wertgegenständen an.

Die Polizei warnt aktuell vor einer perfiden Betrugsmasche, der in Vorarlberg seit Ende vergangenen Jahres bereits drei Opfer auf den Leim gegangen sind. Falsche Polizisten melden sich unter dem Vorwand, man stehe auf der Liste potenzieller Einbruchsopfer: „Guten Abend, hier spricht die Kriminalpolizei, wir haben einen wichtigen Hinweis für Sie!“ – So etwa könnte es sich anhören, wenn bei Hedwig, Irmgard oder Gertrud das Telefon klingelt. Die Namen sind hier rein zufällig genannt? Nein. Sie zeugen vom dreisten Kalkül der Betrüger.

Parallelen zum sogenannten Enkeltrick sind feststellbar, dabei handelt es sich um eine noch viel dreistere Abwandlung: Vertrauen schenkt man ja schließlich nicht nur der Verwandtschaft, sondern vor allem auch der Polizei. Die hat hierzulande neuerlich auf eine Telefon-Betrugsmasche aufmerksam gemacht, der in Vorarlberg seit Ende vergangenen Jahres bereits drei Opfer auf den Leim gegangen sind. Der Schaden, der allein in diesen drei Fällen entstanden ist, beläuft sich auf insgesamt über 100.000 Euro. Seit Jahresanfang sind der Polizei bereits rund 40 Anrufe von „falschen Polizisten“ gemeldet worden. Dass die Dunkelziffer bei den versuchten Betrügereien recht hoch sein dürfte, ist naheliegend. Und weil es auch kein eindeutiges Muster gibt, lässt sich der Aktionsraum der Betrüger nur grob einschätzen, wobei eine klare Tendenz in den Großräumen Bregenz und Bludenz feststellbar ist.

Der Trick

Die Vorgehensweise der Betrüger ist verblüffend simpel: Angebliche Polizisten melden sich bei Seniorinnen mit der Warnung, sie seien zu Hause in Gefahr – und damit ihr Bargeld, Schmuck und andere Wertgegenstände –, weil sie auf der Liste für potenzielle Einbruchsopfer einer Verbrecherbande stehen würden. Auch auf der Bank sei das Geld nicht sicher, weil Bankangestellte gemeinsame Sache mit den angeblichen Verbrecherbanden machten. Überhaupt sei es ratsam, in der Angelegenheit Stillschweigen zu wahren und gegenüber Verwandten, Bankangestellten und auch den „Kollegen bei der Polizei“ nichts zu erwähnen. Haben die falschen Polizisten die Geschichte glaubhaft aufgetischt, schlagen sie eine Präventivmaßnahme vor: Gerne würden sie die Verwahrung von Wertsachen und Bargeld übernehmen.

Modus Operandi

Bevorzugtes, wenn nicht primäres Ziel der Täter sind alleinstehende ältere Damen. Mit einer guten Auffassungsgabe und ein paar netten Worten sind Vertrauen und Kooperation schnell erschlichen. „Tatsächlich nehmen sich die Täter einfach das Telefonbuch zur Hand, suchen sich auf Geratewohl „Jahrgangsnamen“ heraus und arbeiten diese im „Trial and Error“-Prinzip systematisch ab. Hinter den Anrufen steckt vermutlich die türkische Callcenter-Mafia“, erklärt Andreas Gantner, Landeskriminalamt-Chefermittler im Bereich Betrug. Auch beim „Auftreten“ der Betrüger lässt sich kein eindeutiges Muster feststellen, führt Gantner aus: „Wir haben Meldungen erhalten, wonach sie sich als Kriminalbeamte des Landeskriminalamts in Innsbruck oder anderen umliegenden Behörden ausgeben.“ Teilweise sollen sie sich aber auch als Interpol-Beamte vorgestellt haben: „Bei zögerlichen Opfern haben die Anrufer teilweise auch vorgeschlagen, den zuständigen Staatsanwalt an das Telefon zu holen“, schildert der Chefermittler.

Gefälschte Rufnummern

Die Betrüger bedienen sich einer kommunikationstechnischen Methode namens „Call-ID-Spoofing“, mit der Anrufe unter einer gefälschten Rufnummer geführt werden können. So wird bei der Rufnummernanzeige eine frei wählbare Identifikationsinformation angezeigt, in den aktuellen Fällen die Festnetznummer der Polizei. Weil aus dem Ausland agiert und zudem noch über das Internet und nicht über eine tatsächliche Festnetzleitung telefoniert wird, gestalten sich Rufdatenauswertung und die Ermittlungen insgesamt als besonders schwierig, betont Gantner. „Die Anrufer sind auf diesem Gebiet hervorragend geschult und machen kaum Fehler. Aus ermittlungstechnischer Sicht ist es für uns darum nicht einfach. Die Betrügerei geht munter weiter, während wir gegen Windmühlen kämpfen. Deswegen ist auch die Politik gefordert, insbesondere in Sachen Anonymität im Internet“, fordert der Chefermittler.

Organisation im Ausland, Abholung vor Ort

Wie die Ermittlungen in den konkreten Fällen ergeben haben, wird die Übergabe der Wertgegenstände über sogenannte Abholer abgewickelt. Diese Helfer werden, wie es scheint, aus Familienclans der türkischen Communities rekrutiert, die über ganz Europa verteilt sind. Um Spuren zu verwischen, agieren diese Beitragstäter im Rotationsprinzip, sodass es für jeden Aktionsraum mehrere wechselnde Abholer gibt. Ein falscher Polizist, der heute Bargeld und Wertsachen zur angeblichen Verwahrung im Raum Bregenz abholt, kann einen Monat später beispielsweise in Kärnten oder im Burgenland eingesetzt werden. Bisher haben sich die dubiosen Anrufer in Vorarlberg vermutlich nur nach Bargeld und Wertgegenständen erkundigt, die abgeholt werden sollten. Dass nach Bankverbindungen oder Kreditkartennummern gefragt wurde, ist den Ermittlern jedenfalls nicht bekannt.

Schutz und Maßnahmen

Die Polizei setzt verstärkt auf zielgruppenorientierte Sensibilisierungsmaßnahmen: So wird beispielsweise mit dem Seniorenbund und mit Pensionistenvereinen zusammengearbeitet, um direkt über aktuelle Betrugsmaschen und Vorgehensweisen aufzuklären, informiert Gantner. Weiters verweist er auf Maßnahmen und Tipps, wie man sich vor Betrugsmaschen schützen kann. Die Anrufer sind gut geschult und bestens darauf trainiert, die Opfer in ein Gespräch zu verwickeln und dadurch eine Vertrauensbasis aufzubauen. Sie wissen genau, wie sie jemanden ködern, warnt der Ermittler. Zudem senden die Täter durch Telefonnummer-Spoofing unter anderem auch die Nummer 133 mit. Das soll den Eindruck erwecken, dass die Polizei anruft. Die Polizei würde jedoch nie von der Polizeinotrufnummer 133 anrufen. Zudem haben Personen, die einen solchen Betrugsanruf erhalten haben, der Polizei berichtet, wegen des ungewöhnlichen Sprachgebrauchs und Akzenten stutzig geworden zu sein. Deshalb sollte man sich gar nicht erst auf ein Gespräch einlassen und besser gleich auflegen.

Die echte Polizei macht sich bemerkbar

„Schon gar nicht wird von uns am Telefon um die Herausgabe von vertraulichen Informationen wie persönliche oder finanzielle Verhältnisse gebeten und auch keine Verwahrung von Geldbeträgen oder Wertsachen angeboten“, stellt Gantner klar. Will die Polizei tatsächlich auf etwas hinweisen oder Kontakt aufnehmen, dann kann sie sich in jedem Fall entsprechend bemerkbar machen, beispielsweise direkt an der Haustüre mit Dienstausweis. Verdächtige Vorfälle und dubiose Anrufe sollten jedenfalls sofort der nächsten Polizeidienststelle unter der Telefonnummer 059 133 gemeldet werden. Wenn möglich, sollten der Zeitpunkt des Anrufs und wichtige Details wie Namen, Dienstnummer oder Dienststelle des Anrufers notiert werden. Aber auch Kontodaten oder vorgeschlagene Übergabeorte können für die Ermittlungen sehr wertvoll sein, führt Gantner aus und rät, besser Vorsicht walten zu lassen und im Zweifel nachzuhaken: „Das wird die Polizei niemandem übel nehmen. Ganz im Gegenteil: Jeder Hinweis kann ein wichtiges Detail zur Täteridentifizierung sein!“

07.04.2018

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