
Gemeinsam stark. Ein neues Buch über Kooperation und Vertrauen
März 2026
Martin Kocher leitet seit September 2025 als Gouverneur die Österreichische Nationalbank und davor war er bis März 2025 Bundesminister für Arbeit und Wirtschaft. Die Zeit dazwischen war für uns beide wie ein Geschenk, das wir dazu genützt haben, einen lange gehegten Wunsch zu verwirklichen, nämlich ein gemeinsames Buch über einen zentralen Teil unserer gemeinsamen Forschung zu schreiben, nämlich Kooperation und Vertrauen. Ende Februar ist unser Buch „Gemeinsam stark“ erschienen.
In dieser Kolumne schreibe ich üblicherweise über verhaltensökonomische Themen, die ich spannend finde. Häufig ging es in den vergangenen Jahren um Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen und die Gründe dafür, über die Wirkungen und Nebenwirkungen von politischer Korrektheit oder über den „menschlichen Faktor“ im Berufsleben, womit gemeint war, dass ein besseres Verständnis von typisch menschlichen Verhaltensweisen dabei hilft, im Beruf beziehungsweise als Unternehmen Erfolg zu haben. Die meisten der aufgegriffenen Themen basierten auf aktuellen wissenschaftlichen Arbeiten von Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt. Manchmal berichtete ich auch über eigene Forschungsarbeiten, die ich für spannend genug hielt, um sie in „Thema Vorarlberg“ vorzustellen.
Mein Beitrag in diesem Monat zählt zum letzteren Typ, ist allerdings anders als frühere Beiträge. Anlass ist das Erscheinen eines neuen Buches, in dem Martin Kocher und ich gemeinsam über das Kernthema unserer gemeinsamen Forschung über viele Jahre hinweg schreiben, nämlich wie Kooperation und Vertrauen entstehen und wie sie uns helfen, gemeinsam mehr zu erreichen, als wir das alleine je schaffen könnten. Das Verfassen des gemeinsamen Buches zwischen April und August 2025 hat uns beiden ungemein viel Freude bereitet und mehrmals haben wir uns an unsere Anfänge erinnert.
Martin Kocher und ich lernten uns im Juli 1998 als Assistenten von Universitätsprofessor Manfried Gantner – einem gebürtigen Vorarlberger aus Wald am Arlberg – am Institut für Finanzwissenschaft der Universität Innsbruck kennen. Schon ein Jahr später begannen wir, an gemeinsamen Forschungsprojekten zu arbeiten. Im Laufe der nächsten 20 Jahre wurden es mehr als 40 gemeinsame Zeitschriftenpublikationen zu den verschiedensten Themen. Dazu zählten etwa die Frage, wie man die Effizienz von Fußballmannschaften oder von Forschungseinrichtungen misst, ob es einen Vorteil für die zuerst schießende Mannschaft in einem Fußball-Elfmeterschießen gibt, welchen Einfluss die Trikotfarbe auf die Gewinnwahrscheinlichkeit im Fußball hat, welche Faktoren Koautorenschaften in der Forschung erklären können, wie sich Menschen unter Unsicherheit und in Auktionen verhalten oder wie sich Teamentscheidungen von individuellen Entscheidungen unterscheiden. Der Schwerpunkt unserer Forschung lag aber immer auf der Frage, wie menschliches Zusammenleben besser gelingt. Das Buch „Gemeinsam stark“ basiert auf vielen gemeinsamen Studien über Kooperation und Vertrauen, weil wir diese beiden Faktoren als zentral für ein fruchtbares Miteinander in unserer Gesellschaft, aber auch in der Wirtschaft und der Politik erachten.
Als erste Ökonomen haben wir uns schon in den 2000er-Jahren mit der Frage beschäftigt, wie sich Vertrauen gegenüber fremden Personen von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter entwickelt. In einem experimentellen Vertrauensspiel konnten wir zeigen, dass das Ausmaß an Vertrauen – und damit die Effizienz der Interaktion mit anderen – im Laufe der Jugend anwächst, mit Beginn des Erwachsenenalters seinen Höhepunkt erreicht und dann sehr lange konstant bleibt. Die Vertrauenswürdigkeit – dass jemand das ihm entgegengebrachte Vertrauen nicht ausnützt – steigt ebenfalls mit dem Alter an. Hinsichtlich der Bereitschaft zur Kooperation haben wir ähnliche Muster über das Alter hinweg gefunden. Diese Befunde legen nahe, dass – zumindest in unseren Breitengraden – wechselseitige Kooperation und Vertrauen gelernt werden können (oder auch von anderen „abgeschaut“ werden können). Auf der Basis dieser Erkenntnisse beschäftigen wir uns im Buch dann zum Beispiel mit den folgenden Fragen, die wir für unsere Gesellschaft, für Unternehmen und die Politik als wichtig erachten:
›› Welchen Einfluss hat Führung für Kooperation und Vertrauen in Gruppen und warum ist das Vorangehen mit gutem Beispiel so wichtig?
›› Warum ist ein Vertrauensvorschuss so wirksam, um Kooperation zu ermöglichen?
›› Welche Rolle spielen Elternhaus und Bildung für Kooperation und Vertrauen?
›› Weshalb ist das Motto „Wie du mir, so ich dir“ ein Rezept für Erfolg in Gruppen?
›› Wirkt Belohnung oder Bestrafung besser zur Förderung und Erhaltung von Kooperation?
›› Sind nicht-monetäre Anreize ebenso wirksam für Kooperation und Vertrauen wie monetäre Anreize und was haben soziale Normen oder Kontrollmöglichkeiten damit zu tun?
›› Wie sind die Menschen im Mittelalter mit Kooperationsproblemen umgegangen, wenn sie beispielsweise ihr Vieh auf „Sommerfrische“ schickten, und was können wir heute daraus lernen?
›› Welchen Beitrag könnten sogenannte Klimaklubs zur Erhaltung einer lebenswerten Umwelt leisten und warum sind sie möglicherweise besser als die bestehenden Klimaabkommen?
›› Wie lässt sich Kooperation in der nationalen und internationalen Politik erreichen, selbst wenn die verschiedenen Akteure und Parteien nicht alle am gleichen Strang ziehen?
Wie in einem guten Kinotrailer verraten wir hier noch nicht die Antworten auf all diese Fragen. Einige wenige Antworten finden sich in meinen Beiträgen für „Thema Vorarlberg“ über die vergangenen Jahre und die anderen finden sich in unserem Buch „Gemeinsam stark“. Falls Sie zum Buch greifen, wünsche ich Ihnen viel Freude und spannende Einsichten beim Lesen.








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