Herbert Motter

950 Millionen Euro pro Jahr: Das kostet Bürokratie in Vorarlberg

April 2026

Aktuelle Zahlen zeigen eindrucksvoll, welche Dimension diese Belastung mittlerweile erreicht hat, sowohl auf Bundesebene als auch in Vorarlberg. In der gewerblichen Wirtschaft Österreichs werden jährlich rund 320 Millionen Arbeitsstunden für bürokratische Aufgaben aufgewendet. Darunter fällt die gesamte Bandbreite administrativer Tätigkeiten, von der Buchhaltung bis hin zu umfangreichen Melde- und Dokumentationspflichten. Umgerechnet entspricht das rund 195.000 Vollzeitstellen, die ausschließlich mit Bürokratie beschäftigt sind.
Die daraus resultierenden Kosten sind enorm: Insgesamt verursachen bürokratische Aufgaben in Österreich jährlich rund 21,1 Milliarden Euro an Belastungen für Unternehmen (ohne Banken und Versicherungen). Das bedeutet: Pro Sekunde entstehen Kosten von 669 Euro. Was gilt für Vorarlberg? Hier wenden Unternehmen jährlich rund 14 Millionen Arbeitsstunden für bürokratische Aufgaben auf. Das entspricht etwa 8600 Vollzeitbeschäftigten. Die Kosten belaufen sich auf insgesamt rund 950 Millionen Euro pro Jahr, davon 600 Millionen Euro interne und 350 Millionen Euro externe Kosten. Besonders bemerkenswert: Der Bürokratieaufwand entspricht in Vorarlberg rund 2,7 Prozent des Umsatzes – und liegt damit sogar noch über dem Österreichschnitt von 2,4 Prozent.
Diese Berechnungen basieren auf Hochrechnungen der KMU Forschung Austria, die sowohl interne als auch externe Kosten des Bürokratieaufwands berücksichtigen und damit ein umfassendes Bild der tatsächlichen Belastung zeichnen. „Diese Zahlen verdeutlichen nicht nur die Dimension des Problems, sondern auch das enorme Entlastungspotenzial. Bereits eine Reduktion der Bürokratie um fünf bis zehn Prozent würde die heimischen Betriebe um Milliardenbeträge entlasten“, erklärte WKÖ-Präsidentin Martha Schultz anlässlich ihres Vorarlberg-Besuches vor wenigen Tagen. „Für viele Unternehmerinnen und Unternehmer ist dabei nicht eine einzelne Vorschrift das Problem, sondern die Summe der Verpflichtungen. Seitenlange Nachweispflichten im Arbeitsrecht, komplexe Genehmigungsverfahren, mehrfach zu meldende Daten oder ,Gold Plating‘-Effekte führen dazu, dass wertvolle Ressourcen gebunden werden. Zeit und Energie fehlen dann im Kerngeschäft, dort, wo Innovation und Wertschöpfung entstehen“, betonte WKV-Präsident Karlheinz Kopf. Der Abbau von Bürokratie zählt daher zu den wichtigsten Anliegen der Wirtschaftskammer und der Betriebe, besonders in Vorarlberg. Rund 80 Prozent der via WKÖ-Wirtschaftsbarometer befragten Unternehmen in Vorarlberg sehen in der Bürokratie und den regulatorischen Anforderungen die größten Herausforderungen. Der Österreichwert liegt bei vergleichsweise bescheidenen 58 Prozent. Die Wirtschaftskammer Vorarlberg hat mit der Ombudsstelle „Bürokratieabbau“ eine zentrale Anlaufstelle für Unternehmer und Unternehmerinnen geschaffen, die in Behördenverfahren auf Probleme stoßen. Ombudsfrau ist Stephanie Hollenstein, Leiterin der wirtschaftspolitischen Abteilung der Wirtschaftskammer Vorarlberg.

 

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