
Zukunft entsteht durch mutige Entscheidungen
Mit dem Kraftwerksprojekt will Rondo zur Energieautonomie beitragen, Arbeitsplätze sichern und den internen Recyclingkreis erweitern.
Die Gemeinde Frastanz hat unser Zukunftsprojekt entgegen vieler positiver Rückmeldungen im Vorfeld nun offiziell abgelehnt. Wir nehmen das zur Kenntnis, ebenso den Umstand, dass wir von dieser Entscheidung nicht im direkten Austausch, sondern erst aus den Medien erfahren haben. Obwohl aus unserer Sicht ein konstruktiver Dialog mit den Vertretern der Standortgemeinde vor dieser Entscheidung nicht nur wünschenswert, sondern sogar zwingend notwendig gewesen wäre, stehen wir weiterhin für sachliche Gespräche bereit.
Und warum? Weil dieses Kraftwerksprojekt für unser Unternehmen, für den Standort, aber auch für die gesamte Region von immenser Bedeutung ist. Das bedarf einer Erklärung. Die Papierindustrie ist eine energieintensive Branche. Wir sind deswegen der größte Erdgasverbraucher Vorarlbergs. Wir benötigen gegenwärtig sieben Prozent der gesamten in Vorarlberg privat und industriell genutzten Gasmengen. Unser jährlicher Energiebedarf entspricht dem Jahresbedarf von 10.000 Haushalten. Er ist so hoch wie der der gesamten Stadt Bregenz. Würde unser Kraftwerk also den Betrieb aufnehmen, wäre das, als würden alle Bregenzer Haushalte auf einen Schlag vom Gasnetz gehen. Vorarlbergs gesamter Erdgasverbrauch würde schlagartig um sieben Prozent sinken.
Die vergangenen Jahre haben deutlich gezeigt, wie abhängig und verletzlich Energiesysteme auf Basis von Öl und Gas sind. Vor diesem Hintergrund haben wir die strategische Entscheidung getroffen, unsere Energieversorgung selbst in die Hand zu nehmen und regional anfallende Reststoffe im eigenen Kraftwerk thermisch zu verwerten. Denn Zukunft entsteht durch mutige Entscheidungen.
Erinnern Sie sich noch, wie groß der Aufschrei war, als die Russen in der Ukraine einmarschiert sind und die Energiekrise begann? Und alle sagten, man müsse dringend unabhängig werden von russischem Gas? Und erinnern Sie sich auch noch daran, wie schnell dann alles wieder verdrängt wurde? Obwohl dort nach wie vor Krieg herrscht? Wir haben uns durch das billige russische Gas lange genug einlullen lassen. Das darf nicht wieder passieren. Und da ist unser Unternehmen gefordert, langfristig zu denken. Denn das Problem mit der Energiekrise ist nach wie vor nicht gelöst, wir sehen das im Iran. Der Standort Vorarlberg ist von geopolitischen Verwerfungen betroffen. Und er wird weiterhin davon betroffen sein. Deswegen müssen Projekte wie das unsere realisiert werden. Unser Kraftwerk ist Teil einer Strategie zur Schließung unseres Rohstoffkreislaufs und zur Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern im Land. Es ist somit ein wesentlicher Beitrag zur Energieautonomie Vorarlbergs und damit eine Chance zur Sicherung unseres Industriestandorts.
Mit dem Kraftwerk würden wir zudem den Papier-Recycling-Kreislauf innerhalb unserer Unternehmensgruppe schließen können: Unser Tochterunternehmen sammelt, sortiert und bereitet Altpapier auf, welches in unserer Papierfabrik zu hochwertigem Wellpappe-Rohpapier verarbeitet wird. In unseren Wellpappewerken entstehen daraus Verpackungen, die selbst Kreislaufprodukte sind – sie begleiten Güter durch ihre Nutzung und finden danach ihren Weg in die Altpapiertonne und damit sind sie zurück im Recyclingprozess. Wiederverwertung ist bei uns gelebter Alltag. Mit dem Kraftwerk erweitern wir diesen Kreislauf, indem wir dort ausschließlich sorgfältig aufbereitete Reststoffe verwerten, welche nicht mehr recycelt werden können, sowie vorsortierte gewerbliche Reststoffe, Ersatzbrennstoffe oder Biomasse – keine schwarzen Säcke beziehungsweise gemischter Siedlungsabfall.
Aber natürlich bringt ein Projekt dieser Größenordnung Fragen mit sich. Und auch Bedenken, die wir sehr ernst nehmen. Rondo hat deswegen von Beginn an mehrfach über die Pläne informiert, etwa im Rahmen von Gemeindevertretungssitzungen, auf Einladung politischer Vertreter sowie interessierter Bürger in bilateralen Formaten und auch auf der Website www.energieautonomie-frastanz.at. Wir haben von Anfang an den Dialog gesucht und auch die Entscheidung für eine Umweltverträglichkeitsprüfung, die derzeit läuft, bewusst getroffen, um das Projekt transparent und öffentlich zu machen. In diesem UVP-Verfahren werden alle Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit unabhängig geprüft, bewertet und offengelegt. Moderne Kraftwerksanlagen wie das von uns geplante unterliegen extrem strengen gesetzlichen Vorgaben. Wir haben Vertrauen in dieses Verfahren und sind überzeugt davon, dass sämtliche Aspekte bewertet werden. Und so wird Rechtssicherheit für alle geschaffen.
Für die Papier- und Zellstoffindustrie haben sich die Wettbewerbsnachteile bei den Energiekosten im europäischen Vergleich weiter verschärft. Heimische Unternehmen sind strukturell schlechter gestellt als ihre Mitbewerber in europäischen Nachbarstaaten, was Investitionen und Beschäftigung zunehmend unter Druck setzt. Besonders deutlich zeigt sich der Handlungsbedarf beim Standortabsicherungsgesetz: Die geplanten Entlastungen bleiben klar hinter jenem Niveau zurück, das vergleichbare Industrien in anderen EU-Staaten erhalten. Österreichische Werke stehen im direkten Vergleich mit Standorten, die bei den Energiekosten deutlich bessere Ausgangsbedingungen haben. Österreichische Betriebe zahlen das 2,3-Fache an Energiekosten im Vergleich zu deutschen Standorten.
Die Rondo Ganahl AG hat in Frastanz seit über 100 Jahren ihren Stammsitz, die Wurzeln des modernen Industriebetriebes in Familienbesitz reichen bis ins Jahr 1797 zurück. Wir sind in dieser Region tief verwurzelt und wollen es auch in Zukunft bleiben. Unserer Verantwortung sind wir uns bewusst. Es geht auch darum, die Arbeitsplätze hier am Standort abzusichern. Das gelingt nur mit einem Energiekonzept, das die Papierproduktion zukunftsfähig macht, und die zudem sicherstellt, dass das in Vorarlberg anfallende Altpapier auch im Land verwertet werden kann.




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