Hans-Peter Metzler

Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg, Herausgeber „Thema Vorarlberg“

(Foto: ©Markus Gmeiner)

Die gute Zukunft

Dezember 2020

Es war ein überaus herausforderndes Jahr, das sich dem Ende zuneigt; ein Jahr, das alle Bereiche des Lebens erfasst und Land und Leuten kollektiv vieles abverlangt hat. Es war ein Jahr, in dem die Erkenntnis gewachsen ist, dass nichts selbstverständlich ist; was zuvor als gegeben erachtet worden war, wird heute mit einer neuen Nachdenklichkeit gesehen.
Und doch brauchen wir Selbstvertrauen, um uns dem Kommenden zu stellen. Wir brauchen den Glauben daran, dass die Zukunft gestaltbar ist, im positiven Sinn. Von Giovanni Maio, einem Philosophen, stammt die Erkenntnis: „Zukunft anzunehmen bedeutet nicht, fatalistisch zu sein. Die Hoffnung geht vielmehr mit einem Gestaltungsimpuls einher, sie ist zentraler Antrieb zur Gestaltung der Zukunft.“ Das Zitat ist ein paar Jahre alt, es kommt aus einer älteren Zeit, aus einer besseren Zeit. Aber der Appell des Philosophen, die Hoffnung nicht aufzugeben und das Künftige gestalten zu wollen, bleibt hochaktuell. 
Allerdings wird es ein Mehr an Gemeinsamkeit brauchen, um den Herausforderungen konsequent begegnen zu können. Denn die gute Zukunft, sie ist kein Selbstläufer. Sie muss erarbeitet werden, von allen gemeinsam. Es sind die gesellschaftlichen Kräfte zu vereinen, mit all den Debatten, die in einer Demokratie notwendig sind. Aber vielleicht haben in diesem Jahr ja auch die letzten Zweifler erkannt, dass Wirtschaft und Gesellschaft unteilbar sind. Wer nach Monaten der Pandemie noch immer in Abrede stellt, dass eine starke Wirtschaft die Basis für ein gutes Leben ist, hat Entscheidendes nicht registriert. Oder besser gesagt: nicht registrieren wollen.
Wir leben in einem Land, das sich wie kaum ein anderes auf eine starke Gesellschaft und auf eine starke Wirtschaft stützen kann – und nur deshalb überhaupt dazu imstande ist, sich dem Kommenden in einer Position der Stärke zu stellen. Vorarlberg hat eine resiliente Basis, Vorarlberg hat innovative Unternehmen und hervorragende Arbeitnehmer, tolle Regionen und starke Gemeinden. Aufbauend auf diesem starken Fundament werden wir diese Krise meistern. Abschließend soll nochmals Philosoph Maio zitiert sein: „Der verzweifelnde Mensch meint im Grunde zu wissen, wie die Zukunft sein wird.“ Das heißt auch: Der verzweifelnde Mensch rechnet mit einer negativen Zukunft. Er ergibt sich dem, was da kommt. Dem Naturell der Vorarlberger entspricht das nicht. Wir glauben an eine positive Zukunft – und wir glauben daran, dass wir diese Zukunft auch gestalten werden.

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