Manfred Hämmerle

Direktor der BHAK und BHAS Bregenz und seit 30 Jahren in der Ausbildung für Lehr­personen, unter anderem an der WU Wien, tätig

Ein Juwel neu entdecken

April 2026

Warum ein zukunftsfähiges Bödele im öffentlichen Interesse ist.

Der – an schönen Sonntagen – volle Parkplatz am Kälberrücken ist trügerisch. Das Bödele – einst Pionier des Tourismus in Vorarlberg – leidet unter einem massiven Investitionsrückstand. Ein Symbol dafür ist die Adolf Hemrich Hütte, die leider schon lange nicht mehr bewirtschaftet ist. In die Hütte am Lank wurde seit vielen Jahren wenig investiert. Die Schlepplifte Seeblick und Alpenblick schauen ziemlich genau so aus wie damals, als sie vor mehr als 50 Jahren erbaut wurden. Sogar der Sessellift ist in die Jahre gekommen. Es fehlen Anlagen zur maschinellen Schneeerzeugung, die die Saison wesentlich stabiler machen würden. An schönen Tagen findet man kaum einen Platz in einer Hütte, um mit der Familie etwas konsumieren zu können. Das Angebot ist zu gering. Die lobenswerten Investitionen in das Hotel Marvia oder in den (relativ) neuen Lift „Schanzenblick“ dürfen nicht darüber hinwegtäuschen: Das Bödele braucht dringend Investitionen. Was würden wohl die Pioniere des Tourismus am Bödele, die es vor mehr als hundert Jahren erschlossen haben, sagen beziehungsweise tun? Sie wären jedenfalls nachdenklich.

Nahes Ausbildungsgebiet 
Das Bödele ist das Ausbildungsgebiet für Skifahrer für das untere Rheintal. Ist Schnee vorhanden, kann man zahlreiche Kinder beim Erlernen dieses Sports beobachten. Es sind vor allem die Skivereine, die sich engagieren. Den Skischulen sind die Bedingungen zu unsicher. Sie sind, zumindest teilweise, nach Alberschwende(!) und nach Egg Schetteregg abgewandert. Dass Kinder im Skifahren ausgebildet werden, ist von großer Bedeutung. Die Bewegung in der Natur, der Spaß im Schnee und die Möglichkeit, sein Können mit anderen zu messen, das alles ist in Zeiten, in denen sich die Kinder stundenlang in „Sozialen Netzwerken“ bewegen, von großer Bedeutung. 
Beobachtungen zeigen allerdings, dass der ehemalige Massensport massiv an Nachfrage verliert. Da braucht man nur die Anmeldezahlen für die Skiwochen in den Schulen Vorarlbergs anzuschauen. Die Schweiz hat Österreich längst als Skination Nummer eins abgelöst, während man bei uns lieber den Abgesang auf das Skifahren „feiert“. Dabei wäre die Ausbildung so wichtig. Sie erhöht die Akzeptanz für den Skisport, sie bringt künftige Kunden für größere Skigebiete und Rennläufer, die Österreich bei internationalen Rennen vertreten. Nur aus der Breite kommt die Spitze. Nicht nur Kinder sind im Winter am Bödele zu finden, Familien erkennen die Vorteile der Nähe des Gebiets. Es kann mit öffentlichen Verkehrsmitteln leicht erreicht werden. Die familienfreundliche Tarifgestaltung inklusive Punktekarte ermöglicht eine kostengünstigere Variante, den Skisport zu betreiben. Es ist im öffentlichen Interesse, dass der Skisport nicht zum Luxussport für Wenige wird.

Maschinell erzeugter Schnee?
Selbstverständlich ist der Klimawandel auch am Bödele zu spüren. Die Schneesicherheit hat nachgelassen. Ein durchgängiger Skibetrieb ist nicht garantiert. Das könnte ein Grund dafür sein, dass sich Investoren zurückhalten. Die natürlichen Voraussetzungen für maschinell erzeugten Schnee sind grundsätzlich gut. Ende November ist regelmäßig ein Kälteeinbruch zu beobachten, der einerseits Naturschnee bringt und andererseits die Erzeugung von Schnee ermöglicht. Das genauso regelmäßig beobachtbare „Weihnachtstauwetter“ lässt dann den schönen Schnee wieder wegschmelzen. Das ist besonders bedauerlich, weil genau um diese Zeit die wichtigsten Skikurse stattfinden und auch sonst viel los wäre. Die Erfahrungen zeigen: Naturschnee kombiniert mit maschinell erzeugtem Schnee erhöht die Schneesicherheit massiv. Die Hänge am Bödele sind alle eher Richtung Norden ausgerichtet und deshalb ideal. Die Seehöhe von circa 1100 bis knapp 1500 Meter ist an der Grenze, wird aber durch die gute Lage der Hänge ausgeglichen. Jahrelange Beobachtungen zeigen, dass beispielsweise der Hang am Seeblick den ganzen Winter eine geschlossene Schneedecke aufweist, während Südhänge längst komplett aper sind. Weiter unten fehlt dann allerdings immer wieder der Schnee, der einen Skibetrieb ermöglichen würde. Wasser müsste in einem der niederschlagsreichsten Gebiete Österreichs vorhanden sein. Die Verfügbarkeit für einen Speichersee und naturschutzrechtliche Fragen müssen geklärt werden. Die Erzeugung von Schnee ist heute wesentlich effizienter geworden und das Wasser kehrt nach der Schmelze in den ursprünglichen Kreislauf zurück. Müssen die Skifahrer mit Autos in andere Skigebiete ausweichen, ist die CO2-Belastung höher als jene für die Erzeugung von Schnee.

Das ganze Jahr über
Das Bödele ist nicht nur für Skifahrer attraktiv. Im Winter sind am Rodelhügel viele Familien zu beobachten. Winterwanderer genießen die traumhafte Landschaft genauso wie die Langläufer. Aber auch hier braucht es Maßnahmen. Wir beobachten einen Interessenkonflikt zwischen Langläufern, Winterwanderern und Tourengängern. Innerhalb kürzester Zeit sind Teile der Loipe schlecht fahrbar. Es sollte deshalb eine Trennung überlegt werden. Die Verlegung der Loipe heraus aus dem Fohramoos in Richtung schattigerer Regionen unter dem Lank würde einerseits ein Schutz dieses Naturjuwels bringen und zu mehr Tagen, an denen das Langlaufen möglich ist, führen. Für Winterwanderer sollte eine Piste extra gespurt werden. Maschinell erzeugter Schnee muss auch fürs Rodeln zur Verfügung stehen. Investitionen für den Winterbetrieb könnten auch für die anderen Jahreszeiten von Vorteil sein. Sollte man sich für einen Speicherteich entscheiden, ist darauf zu achten, dass sich dieser gut in die Landschaft einfügt. So könnte er ein attraktives Ausflugsziel werden. Es ist davon auszugehen, dass die Investitionen in die Schneeerzeugung andere nach sich ziehen. Mutige Investoren haben am Söllereck am Eingang des Kleinwalsertals einen Schritt in die Zukunft gewagt. Dort wurde – unter ähnlichen räumlichen Voraussetzungen – kräftig investiert. Finden sich auch für das Bödele Menschen mit Zukunftsvisionen wie diejenigen, die damals das Bödele erschlossen haben oder werden wir ein Szenario erleben, das den Abbau der Liftanlagen erforderlich macht?

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