Julia Schmid

Redaktion (schmid.julia@wkv.at)

(Foto: © Marcel Hagen)

Doppelter Nutzen

September 2015

Wenn zwei Sprachen und Kulturen aufeinandertreffen, ist das immer spannend. Passiert das in einem Sprachkurs, in dem unkonventionelle Lernmethoden zum Einsatz kommen, dann steigt der Lernerfolg zum Quadrat.

Wer kennt das nicht vom eigenen Urlaub: Kaum ist man in einem anderen Land, unterscheidet sich nicht nur die Sprache – erfrischend anders sind auch Mentalität und kulturelle Gepflogenheiten der Einheimischen. Für zwei Wochen Urlaub im Jahr reichen locker ein paar Vokabeln in der jeweiligen Landessprache. Will man allerdings in einem fremden Land Fuß fassen, sind gute Sprachkenntnisse und Verständnis für die Kultur extrem wichtig. Das weiß auch die Spanierin Micaela Casero Pariente, die seit 20 Jahren in Österreich lebt und im WIFI als Spanisch-Trainerin arbeitet. Sie kennt viele ehemalige Landsleute, die aufgrund der wirtschaftlichen Lage nach Vorarlberg arbeiten kommen: „Sie wollen sich hier integrieren. Das brachte mich auf die Idee, einen Sprachkurs zu konzipieren, bei dem man nicht nur eine fremde Sprache lernen kann, sondern auch die Integration gefördert wird.“ Gesagt, getan: Gemeinsam mit der Co-Trainerin Elisabeth Gasser leitet Casero im WIFI Vorarlberg seit zwei Jahren den Sprachkurs „Konversation hoch zwei“.

Interkultureller Dialog

Ziel des Kurses ist, dass die deutsch- wie auch die spanischsprachigen Teilnehmer einerseits ihre Sprachkenntnisse verbessern, im direkten Dialog aber auch die Kultur sowie die Besonderheiten der anderen Länder kennenlernen. Dank der unkonventionellen Trainingsmethoden kommen dabei beim Reden die Leute zusammen: Da wird gespielt, diskutiert, argumentiert oder das eigene Land präsentiert. Jede Menge Gesprächsstoff liefern Themen, die die Teilnehmer bewegen – und das garantiert Lernerfolg zum Quadrat. Co-Trainerin Elisabeth Gasser erklärt: „Sind Spanier immer gut gelaunt? Dürfen österreichische Kinder ihre Lehrer duzen? Ist Pünktlichkeit überall in Spanien ein Fremdwort? Diesen und weiteren Fragen gehen wir auf den Grund und lüften so manches kulturelle Geheimnis.“

Mit ihrem innovativen Konzept konnten die beiden Trainerinnen heuer auch die Jury des österreichweiten WIFI Trainer-Awards überzeugen und sich den Sieg sichern. „Das ist natürlich eine wunderbare Anerkennung unserer Arbeit. Auch weil es in diesem Kurs nicht so sehr um die richtige Grammatik geht. Die lernen die Leute ohnehin in Standardkursen. Hier geht es um den Dialog untereinander – und dabei sind Fehler erlaubt, ja sogar willkommen“, sagt Micaela Casero Pariente und fügt hinzu: „Sprache lernt man nicht getrennt von der Kultur.“

Auch die Teilnehmer sind von diesem Trainingskonzept begeistert. Der Kurs habe ihr geholfen, so Linda Mauksch, spielerisch wieder ins Spanischsprechen hineinzukommen. Die Neugier auf die andere Kultur und das Austauschen der Sprache standen im Mittelpunkt. Für die Spanierin Patricia Sánchez wiederum war besonders der Kulturaustausch sehr bereichernd und dass sie im Laufe des Kurses die unterschiedlichsten Menschen kennenlernen konnte.

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