Angelika Schwarz

* 1975 in Feldkirch, ist Journalistin, studierte Germanistin und Anglistin, langjährige ORF-Redakteurin und -Moderatorin (Radio und Fernsehen). Angelika Schwarz arbeitet in der Unternehmenskommunikation der Landeskrankenhäuser Vorarlberg.

Kuscheleinheit auf Rezept

März 2025

Es ist bereits fünf Jahre her, seit Laras Teddy mit einer lästigen Plüschgrippe im Krankenhaus behandelt werden musste. Vergangene Woche nun hat er ein Knopfauge verloren und sollte sich dringend wieder in ärztliche Obhut begeben, um es sich annähen zu lassen. Ein Glück, dass zu diesem Zeitpunkt gerade das Teddybärkrankenhaus am LKH Feldkirch geöffnet hatte! – Vom 24. bis 26. Februar luden rund 150 ehrenamtliche „Teddydocs“ Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren dazu ein, mit ihren Stofftieren ins Krankenhaus zu kommen. Nach Corona bedingter Pause war es erstmals wieder möglich, Teddy, Fanti, Schildi & Co. realitätsnah und gleichzeitig kindgerecht bei einem Spitals­aufenthalt zu begleiten.
Dass im Teddybärkrankenhaus fast alles so abläuft wie „in Echt“, dafür hat in monatelanger Vorbereitungszeit ein zehnköpfiges Organisationsteam aus angehenden Medizinern und Medizinerinnen gesorgt. „Krankenhausleiterin“ Alissa Jenny ist Medizinstudentin an der Medizinischen Uni Innsbruck und stolz auf ihr ehrenamtliches, berufsübergreifendes „Personal“. Es besteht aus Pflegeschülern, angehenden Hebammen sowie Schülern und Studenten aus den unterschiedlichsten medizinischen Fach- und Ausbildungsbereichen. Die Organisation des Teddybärkrankenhauses geschieht in deren Freizeit und völlig eigenständig, hat mit dem eigentlichen Studium also nichts zu tun. „Dennoch ist es auch für uns unglaublich bereichernd und lehrreich! Die Zeit, die wir hier investieren macht nicht nur Spaß, sondern ist in vielerlei Hinsicht sinnvoll für uns und unsere Ausbildung“, betont Alissa Jenny.

Realitätsnah
Hauptmotivation ist für alle Teilnehmer aber in erster Linie, Kindern den Krankenhausbesuch in stressfreier und angenehmer Atmosphäre näherzubringen, um Angst gar nicht erst aufkommen zu lassen: „Die häufigste Sorge der Kinder ist, dass eine Behandlung Schmerzen verursachen könnte. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass, wenn Kinder vorher schon wissen, was passiert oder sie bestimmte Dinge wie ein Stethoskop schon einmal gesehen haben, sie ganz anders damit umgehen können.“ 
Dafür hat das Team mehrere Stationen vorbereitet, an denen die Kinder mit ihren Stofftieren erleben können, was in einem Krankenhaus alles gemacht wird. Mit dabei ist unter anderem eine MRT- und eine Ultraschalluntersuchung, ein Labor, ein EKG überprüft die Vitalwerte, es gibt eine Röntgen-, eine Chirurgie- und eine Blutabnahmestation und vieles mehr. „Wir beweisen den Kindern beispielsweise durch eine Einspielung des Originalgeräusches, dass ein MRT-Gerät zwar brummt und laut ist, dass das aber überhaupt nicht wehtut. Genauso wird auch der kurze Pieks beim Blutabnehmen erklärt“, ergänzt Alissa Jenny. „Die Kinder erfahren unter anderem, warum und wie ihre pelzigen Freunde im OP schlafen gelegt und beatmet werden. Sie lernen den Behandlungsalltag im Krankenhaus spielerisch kennen und wir achten darauf, den Themen auch ihren Zauber zu lassen. Wir wollen ehrlich agieren, nicht beschönigend, aber kindgerecht. Und die vergangenen Veranstaltungen haben gezeigt, dass diese Kombination aus Realität und Spiel sehr gut funktioniert.“ 

Krankengeschichten
Ausgelegt ist das Teddybärkrankenhaus für die Jüngsten im Vorschulalter. Gerade in diesem Alter wissen Kinder meist noch nicht allzu viel von den Abläufen im Spital oder in der Praxis, sie sind offen für eine spielerische Herangehensweise und nehmen die Angebote sehr gut an. Die Kinder kommen entweder mit ihrer Kindergartengruppe oder einzeln mit einer Begleitperson. 
Gemeinsam ist allen, dass sie ein Stofftier mitbringen, das – je nach Krankengeschichte – behandelt werden soll. Auch der Behandlungsablauf entspricht der Realität im Krankenhaus – von der Aufnahme bis zur Entlassung: „Die Gestaltung der Anamnesebögen beispielsweise ist ein wichtiger Teil des Programms, wir hören den Kindern – also in unserem Fall den Angehörigen – zu und behandeln die Kuscheltiere entsprechend als Patienten“, erklärt Alissa Jenny an einem Beispiel: „Die Geschichte vom Teddy mit einem verschluckten Stein wird mir besonders in Erinnerung bleiben. Die Oma eines Kindes hat dem Patienten zur Vorbereitung tatsächlich ein Steinchen eingenäht, das der Teddy in der Kindergeschichte im Garten verschluckt hat. Anhand der MRT-Untersuchung haben wir den Stein dann sichtbar gemacht und kurz danach wieder herausoperiert. In unserer Apotheke hat der Patient dann noch eine Kuscheleinheit auf Rezept und eine Medikamentenbanane bekommen.“ Der Teddy konnte schlussendlich gut umsorgt und geheilt wieder entlassen werden.
„Für uns als zukünftiges medizinisches Personal ist das Teddybärkrankenhaus auch eine gute Gelegenheit, den Umgang speziell mit Kindern im Krankenhaussetting zu schulen und Bereiche wie eben beispielsweise die Anamnese direkt zu üben“, bekräftigt Alissa Jenny abschließend. „Und vor allem das Organisationsteam konnte reinschnuppern ins Management einer größeren Veranstaltung. Das ist sehr spannend und ein Bereich, der unsere jeweilige Ausbildung zusätzlich noch einmal aufwertet. Wir waren jedenfalls alle mit ganz viel Herzblut dabei.“ – Und das konnten die ehrlichsten Kritiker – nämlich die Kinder und ihre Kuscheltiere – auch beim fünften Teddybärkrankenhaus Vorarlberg wieder bestätigen.

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