Thomas Feurstein

Studium der Germanistik und Geografie, Bibliothekar an der Vorarlberger Landesbibliothek, Schwerpunkte: Landeskunde, Schule und Bibliothek

(Foto: © Gerhard Kresser/Vorarlberger Landesbibliothek)

 

Kultur ohne Krawatte

Juli 2019

Die Veranstaltungsreihe sollte ein Kontrastprogramm zu den Bregenzer Festspielen sein und vor allem Vor­arlberger Kulturschaffenden eine Bühne bieten. Reinhold Luger schreibt im Rückblick, dass ein Programm angestrebt wurde, das ungewohnt, politisch engagiert war und ein Publikum ansprechen sollte, dem „die Bregenzer Festspiele mit den immer wiederkehrenden Stücken und Interpreten eben allzu einfältig erschienen.“ Wenn er auf das Resultat zurückblickt, scheint ihm das wohl gelungen zu sein: „Unter freiem Himmel auf dem Gebhardsberg entstand in unvergleichlicher Atmosphäre nicht nur optimaler Kunstgenuss, sondern ein starkes Gefühl der Solidarität und des gemeinsamen Aufbruchs in eine bereits spürbare neue Zeit.“ 

Entstanden waren die Randspiele durch die Initiative einer Gruppe junger Autoren, Künstler, Musiker und Architekten (fast nur Männer), die sich die „Vorarlberger Kulturproduzenten“ nannten und die sich vielfach schon vom Flint-Festival kannten. Sie nahmen 1972 einen neuen Anlauf, die Vor­arlberger Kulturszene mit neuen Elementen zu bereichern. Begünstigt wurde ihr Vorhaben durch die Teilnahme von Oscar Sandner, der als Kulturamtsleiter die Infrastruktur der Bregenzer Kulturabteilung beisteuerte. Nach seinen Angaben war Bregenz ein günstiger Ort, um ein alternatives Festival zu organisieren, hatte doch bereits Bürgermeister Tizian eine liberale Kulturpolitk betrieben, die dann unter dem „roten“ Bürgermeister Fritz Mayer weiter ausgebaut und auch finanziell unterstützt wurde. Als auch Unterrichtsminister Fred Sinowatz von der Idee der Randspiele überzeugt werden konnte und Subventionen aus der Schatulle des Bundes beisteuerte, entschloss sich auch das Land, das Festival zu fördern.

Nach den erfolgreichen Randspielen 1973 und 1974 kam es bei den Organisatoren aufgrund von Meinungsverschiedenheiten zur Abspaltung von mehreren Mitgliedern. 1975 und 1976 fanden die Randspiele zwar statt, da sich aber auch Oscar Sandner von den Vorarlberger Kulturproduzenten abgewendet hatte, fehlte nun der Apparat der Stadt Bregenz sowie die finanzielle Basis. Auch das 1977 stattfindendende Randspiele-Rettungsfest in der Bregenzer Stadthalle konnte das Ende des Festivals nicht mehr verhindern.

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