Christian Feurstein

Mode in früheren Tagen

Mai 2015

Mehr als eineinhalb Jahrhunderte lang prägte das Dornbirner Textilunternehmen Franz M. Rhomberg die Region. Nach der Schließung im Jahr 1993 erhielt das Wirtschaftsarchiv Vorarlberg eine umfassende Fotosammlung, die nun erschlossen wurde.

Im Jahr 1832 richtete Franz Martin Rhomberg im heutigen Dornbirner Stadtteil Rohrbach eine Garnfärberei ein und legte damit den Grundstein für eines der bedeutendsten Textilunternehmen Vorarlbergs. 1857 nahm er in Dornbirn-Schmelzhütten eine Weberei in Betrieb und erweiterte wenige Jahre später die Färberei am Stammsitz Rohrbach um eine Stoffdruckerei. Weitere große Expansionsschritte waren die Übernahmen der Seidenweberei J. G. Ulmer in Dornbirn-Schwefel und der Spinnerei Rankweil in den 1930er-Jahren. Nach dem Zweiten Weltkrieg erwarb Franz M. Rhomberg eine weitere Seidenweberei in Bregenz und eröffnete einen Konfektionsbetrieb im Werk Schmelzhütten, wo unter anderem die bekannten Madrisa-Kollektionen hergestellt wurden. Damit setzte das Unternehmen den Schritt zur Vollstufigkeit – von der Garnspinnerei bis zur Herstellung fertiger Bekleidung.

Franz M. Rhomberg war eines der großen Aushängeschilder der Vorarlberger Textilindustrie und beschäftigte in Spitzenzeiten über tausend Mitarbeiter. Bekannt wurde das Unternehmen ab den 1930er-Jahren vor allem durch eine große Palette an Dirndlstoffen. Der sogenannte Austria-Look, mit der Marke Franz M. Rhomberg weltweit propagiert, prägte über Jahrzehnte hinweg diesen mit der österreichischen Identitätskonstruktion eng verbundenen Bekleidungsstil.

Die Schwierigkeiten der Textilbranche im letzten Quartal des 20. Jahrhunderts gingen auch am Dornbirner Unternehmen nicht vorbei und führten 1993 schließlich zum Konkurs. Das Areal am ehemaligen Stammsitz Rohrbach ist heute unter dem Namen Rhomberg’s Fabrik bekannt und beherbergt einen breit gefächerten Mix an Hightech-Unternehmen, Geschäften, Gastronomie- und Kulturbetrieben.

1994 erhielt das Wirtschaftsarchiv Vorarlberg vom vormaligen Textilunternehmen Rhomberg rund 5000 Fotografien, geordnet und vorverzeichnet von der Textilhistorikerin Theresia Anwander. Die Sammlung ermöglicht einen spannenden Einblick in die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse früherer Generationen. Viele Fotos entstanden vor dem Hintergrund bedeutender Firmenjubiläen und Expansionen in den 1930er- und 1950er-Jahren. Sie zeigen die Betriebe, die Belegschaft bei der Arbeit, Maschinen und Einrichtungen, Lehrwerkstätte und Betriebskantine bis hin zu Faschingswagen, mit denen Franz M. Rhomberg an den Dornbirner Umzügen teilnahm. Aus dem Bereich Verkauf und Werbung sind Fotos aufwendiger Messestände und Modeschauen vorhanden, die von der international renommierten Vorarlberger Textilindustrie zeugen. Einen weiteren Schwerpunkt der Sammlung bilden rund 2500 Modeaufnahmen, die die Trends der 1950er bis 1980er veranschaulichen.

Bei den meisten Fotos handelt es sich um Arbeiten heimischer Fotostudios wie Winsauer oder Rhomberg. Teilweise wurden auch namhafte Fotografen für die Bebilderung von Festschriften oder Modebroschüren engagiert, unter anderem René Groebli aus Zürich. Manche Aufnahmen tragen die Stempel bekannter Modefotografen der damaligen Zeit, so etwa Jowa Parisini in Wien oder Dieter Kolbeck in Bregenz.

In den letzten Jahren wurde es notwendig, sämtliche Fotos in archivtaugliche Verpackungen umzuschachteln, um Schäden zu verhindern. Diese Tätigkeit sowie die Digitalisierung erfolgten in unzähligen Arbeitsstunden durch die ehrenamtlichen Archivmitarbeiter Peter Heiss und Herbert Sonderegger. Für die Erschließung des Bestands in einer Datenbank konnte die Kunsthistorikerin Margarete Zink gewonnen werden. Mit Abschluss des Projekts wird die Fotosammlung demnächst für Forschung und interessierte Öffentlichkeit online einsehbar. Details dazu auf der Internetseite des Wirtschaftsarchivs Vorarlberg unter www.wirtschaftsarchiv-v.at.

Kommentare

To prevent automated spam submissions leave this field empty.