
Trump 2.0 – Protektionismus und Handelskriege unchained
Donald Trump setzt seine „America-First-Politik“ aggressiv fort – mit höheren Zöllen und in scharfer Konkurrenz zu Europa. Ein Handelskrieg könnte die USA selbst aber teurer zu stehen kommen als die EU.
Eines kann man Donald Trump nicht vorwerfen: mangelnde Konsequenz bei der Umsetzung seiner Wahlversprechen. Schon zu Beginn seiner zweiten Amtszeit als US-Präsident setzte seine Regierung umstrittene Maßnahmen durch – auch in der Handelspolitik. Mit angedrohten oder tatsächlichen Zollerhöhungen versucht Trump, politische Zugeständnisse von Kolumbien, Mexiko und Kanada zu erzwingen – etwa in den Bereichen Migration oder Drogenbekämpfung. Gegenüber China eskalierte er den ohnehin schwelenden Handelskrieg, indem er die Zölle um zehn Prozent auf chinesische Importe erhöhte.
Sein zentrales wirtschaftliches Argument: Die USA hätten niedrigere Importzölle als ihre wichtigsten Handelspartner, was zusammen mit abweichenden Regelungen – etwa der europäischen Umsatzsteuer – zu einem hohen Handelsbilanzdefizit führe. Höhere Einfuhrzölle sollten nach seiner Logik die Importe senken, die heimische Produktion ankurbeln und ausländische Unternehmen dazu bewegen, ihre Produktion in die USA zu verlagern. Konkret kündigte Trump Zölle von 25 Prozent auf Importe aus Mexiko und Kanada an, setzte diese aber nach Zugeständnissen der Nachbarländer größtenteils aus. Dagegen wurden Zölle von 25 Prozent auf Aluminium- und Stahlimporte gegenüber allen Handelspartnern (mit Ausnahme Australiens) beschlossen, die am 12. März in Kraft treten sollen. Kürzlich kündigte die US-Regierung zudem ‚reziproke‘ Zölle auf Produkte an, bei denen die US-Importzölle bisher niedriger als die der Partnerländer waren. Diese sollen innerhalb von 180 Tagen eingeführt und insbesondere auf Länder mit Handelsbilanzdefizit gegenüber den USA angewandt werden.
Was bedeutet das für die EU? Ein Blick auf die wirtschaftlichen Größenverhältnisse hilft: Laut Daten der Weltbank sind die USA mit etwa 23 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung (zu konstanten Preisen von 2015) weiterhin die größte Volkswirtschaft. China folgt mit 18 Prozent auf Platz zwei, während die EU27 mit 17 Prozent knapp dahinterliegt. Die USA sind der wichtigste Abnehmer von EU-Waren und zugleich die zweitgrößte Bezugsquelle für EU-Importe. Im Dienstleistungssektor waren sie 2023 der größte Handelspartner der EU. Während die EU im Warenhandel einen Überschuss erzielt, verzeichnet sie im Dienstleistungshandel ein Defizit. Insgesamt bleibt der Handelsbilanzüberschuss mit rund drei Prozent des Handelsvolumens von 1,6 Billionen Euro gering. Trumps Kritik an der EU bezieht sich offenkundig vor allem auf den Warenüberschuss – unter Einbeziehung der Dienstleistungen haben die USA gegenüber der EU nämlich nur ein minimales Handelsbilanzdefizit.
Das Argument der höheren Zölle in Europa gegenüber Importen aus den USA gilt nur bedingt. Eine einheitliche Durchschnittszahl für Zölle ist aus methodischen Gründen schwierig. Insgesamt liegen die Zollsätze zwischen der EU und den USA jedoch auf ähnlichem Niveau. Laut WTO beträgt der durchschnittliche Zollsatz, den die EU auf US-Industriegüter erhebt, bei 4,5 Prozent. Bei Agrarprodukten sind es 14,7 Prozent. Umgekehrt erheben die USA auf Industriegüter aus der EU einen durchschnittlichen Zoll von 3,9 Prozent und von 7,5 Prozent auf Agrargüter. Eine Aufschlüsselung der Zölle nach Produktkategorie findet sich in der untenstehenden Abbildung. Trotz fragwürdiger Argumente der Trump-Regierung sind weitere US-Zollerhöhungen, wie etwa bereits bei Aluminium und Stahl angekündigt, jedoch nicht auszuschließen.
Welche Auswirkungen wären zu erwarten? Die wirtschaftswissenschaftliche Forschung ist sich weitgehend einig: Erstens würden Zollerhöhungen vor allem die US-Konsumenten belasten, da sie die Preise in den USA erhöhen würden. Auch US-Unternehmen wären betroffen, da die Kosten für importierte Vorleistungen steigen dürften. Kurzfristig könnten die USA durch höhere Zolleinnahmen fiskalisch profitieren, doch die Realeinkommen der Bevölkerung würden tendenziell sinken.
Zweitens wären die Auswirkungen auf die EU insgesamt negativ, aber wohl in begrenztem Umfang. Branchen wie die Aluminium- und Stahlproduktion machen nur einen kleinen Teil des BIP aus, und die Zolltarife würden sich – insbesondere bei ‚reziproken‘ Zöllen – kaum ändern, wie die in der Abbildung dargestellten Unterschiede bei den Zöllen zwischen den USA und der EU bei bestimmten Produktkategorien zeigen. Wenn Trump seine Ankündigung ‚reziproker‘ Zölle ernst meint, würden die US-Zölle auf EU-Produkte im Schnitt nur von 3,9 auf 4,5 Prozent steigen. Einzelne Produkte oder Industrien könnten jedoch stärker betroffen sein, was die zurückhaltende Haltung der EU-Kommission gegenüber Gegenmaßnahmen erklärt.
Letztlich hängen die tatsächlichen Folgen eines Handelskonflikts zwischen den USA und der EU – oder sogar eines globalen Handelskrieges – in erster Linie von den konkreten US-Maßnahmen und den Gegenmaßnahmen der davon betroffenen Länder ab.
Das derzeitige regelbasierte Handelssystem im Rahmen der vor 30 Jahren gegründeten Welthandelsorganisation (WTO) steht in jedem Fall vor großen Herausforderungen. Die EU betont zu Recht die Bedeutung der WTO und ihrer Reformbemühungen. Kleine, offene Volkswirtschaften wie Österreich können sich nur durch ihre EU-Mitgliedschaft aktiv in ihre Reformprozesse einbringen, da die EU beim Außenhandel als Block auftritt. Das Land hat seit seinem EU-Beitritt vor 30 Jahren wirtschaftlich und gesellschaftlich enorm profitiert und kann die Vorteile des Binnenmarktes sowie des regelbasierten Handelssystems nutzen, um sich für globale Herausforderungen zu rüsten. Trump könnte diesem regelbasierten Handelssystem den Todesstoß versetzen – mit unabsehbaren Folgen für alle Beteiligten, vor allem für kleine, offene Volkswirtschaften wie jene Österreichs.
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