

Werkzeugbau – die unterschätzte Branche
Der Werkzeug- und Formenbau ist das Fundament der Serienproduktion und damit auch ein Frühindikator für kommende wirtschaftliche Entwicklungen. Doch während politische Debatten von Klimaschutz, Regulierung und Sozialleistungen dominiert werden, bleibt dieser essenzielle Sektor außer Sicht – und sieht sich einem wachsenden Wettbewerbsdruck aus China gegenüber. Europa muss endlich handeln.
Was haben ein Smartphone, ein Auto und eine Kaffeemaschine gemeinsam? Sie alle beinhalten Kunststoff- und Metallteile, die mithilfe von Spritzguss- oder Stanzwerkzeugen hergestellt werden. Der Werkzeug- und Formenbau ist dafür unverzichtbar: Er stellt die präzisen Werkzeuge her, die diese Fertigungsprozesse ermöglichen. Der Werkzeug- und Formenbau ist damit auch ein Frühindikator für wirtschaftliche Entwicklungen.
Eine verkannte Problematik
Doch während politische Debatten von Klimaschutz, Regulierung und Sozialleistungen dominiert werden, bleibt dieser essenzielle Sektor im Schatten. Die Dimension der Problematik wird vollkommen verkannt. Um den Ernst der Lage mit einer Metapher zu illustrieren: Werden in Europa weniger Werkzeuge gebaut, ist das so, als würde ein Bauer im Frühling nichts aussäen – die Ernte bleibt aus. Ordern Industrieunternehmen weniger Spritzguss- oder Stanzwerkzeuge, produzieren sie weniger; das eine hängt unweigerlich mit dem anderen zusammen.
Und es ist Fakt, dass die Werkzeugbranche unter immensem Druck steht. Das Produktionsvolumen vieler Werkzeugbauer hat sich in den vergangenen fünf Jahren drastisch reduziert. Steigende Kosten, asiatische Konkurrenz und eine immer noch umfassendere Regulierung führen zu einer immer geringeren industriellen Fertigung, und diese wiederum zu sinkenden Investitionen und einer unsicheren Auftragslage im Werkzeug- und Formenbau. Von dieser Entwicklung insbesondere betroffen ist mit Deutschland ein entscheidender Markt in diesem Sektor. Dort befindet sich das verarbeitende Gewerbe bereits seit Jahren in einem anhaltenden Abwärtstrend: Nach dem Höchststand Ende 2017 sank der Produktionsindex stark, verzeichnete bis Jänner 2025 einen Rückgang um knapp 16 Prozent.
Schlüsselbranchen
Nicht alle Wirtschaftsbereiche tragen in gleichem Maße zur wirtschaftlichen Stabilität einer Volkswirtschaft bei. Auch ein wachsendes Bruttoinlandsprodukt sagt wenig über die Qualität und Substanz der Wertschöpfung aus. Entscheidend ist, welche Güter produziert werden – insbesondere, ob es sich um Produkte handelt, die auf dem Weltmarkt gefragt sind. Nur wenn eine Volkswirtschaft Güter produziert, die international gefragt sind, lassen sich nachhaltige Exportüberschüsse erzielen und damit die eigene Wohlstands- und Wirtschaftsstruktur langfristig absichern.
Europa ist in vielen Bereichen strukturell auf Importe angewiesen – insbesondere bei Energie, Rohstoffen und preiswerten (Vor-)Produkten, etwa aus China. Um diese Abhängigkeiten auszugleichen, müssen wir selbst leistungsfähige, international wettbewerbsfähige Produkte exportieren.
Gerade deshalb kommt exportstarken Industriegütern eine zentrale Rolle zu – sie bilden das wirtschaftliche Rückgrat Europas. Sie sichern langfristige Wertschöpfung, höheren privaten Konsum und Technologieführerschaft. Ein Blick auf die Produktgruppen mit dem größten Exportüberschuss der EU im Jahr 2024 zeigt, dass insbesondere folgende Industriezweige maßgeblich zur wirtschaftlichen Stärke Europas beitragen: die Automobilindustrie und der Maschinenbau. Doch die langfristige Zukunft dieser Schlüsselbranchen hängt eben entscheidend vom Werkzeug- und Formenbau ab.
Kleine Bauteile, große Wirkung
Meusburger ist Marktführer für sogenannte Normalien. Das sind standardisierte Bauteile oder Komponenten, die in der industriellen Fertigung, insbesondere im Werkzeug- und Formenbau, verwendet werden. Sie ermöglichen eine kosteneffiziente und schnelle Produktion, da sie als vorgefertigte Standardteile nicht individuell gefertigt werden müssen. Das Unternehmen macht pro Jahr 300 Millionen Euro Umsatz, doch die Produkte, die mit seinen Normalien entstehen, haben einen weitaus höheren Wert – oft bis zum Fünfzig- oder Hundertfachen. Aber auch hier zeigt sich: Circa 24.000 Kunden weltweit setzen auf Meusburger-Produkte, doch viele zögern inzwischen mit Investitionen.
Der Marktbarometer-Index (MBX) wurde von Meusburger eingeführt, um eine bessere Marktsicht zu erhalten. Der MBX zeigt ein insgesamt pessimistisches Bild für den Werkzeug- und Formenbau. Demnach stufen die Befragten in allen Bereichen die aktuelle Auslastung überwiegend als „zu gering“ bis lediglich „ausreichend“ ein. Insbesondere in der Stanzerei berichten 44 Prozent der Unternehmen von „einer unzureichenden Auslastung“. Und im Werkzeugbau und im Formenbau geben jeweils rund 40 Prozent der Befragten an, dass ihre Auslastung „zu niedrig“ ist.
Entscheidende Fragen
Die Situation ist alarmierend. Europa und insbesondere Deutschland haben in diesem Bereich jahrzehntelang eine Spitzenstellung eingenommen. Doch dieses Fundament gerät zunehmend ins Wanken. Während Länder wie China massiv in den Werkzeugbau investieren, wird dieser in Europa immer stärker vernachlässigt. Die Auswirkungen könnten dramatisch sein. Es sind für die Zukunft entscheidende Fragen, die sich da stellen. Wie entwickelt sich zum Beispiel die Automobilindustrie in Deutschland? Wie viele Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt vom Werkzeugbau ab?
China als Bedrohung
Das sind Fragen, die nicht nur Werkzeugbauer, sondern auch Politiker und Wirtschaftsführer beschäftigen sollten. Zumal sich China immer stärker zur Bedrohung der europäischen Hidden Champions entwickelt. Ohne regulatorische Hürden und mit massiver staatlicher Unterstützung haben chinesische Unternehmen die Kraft, die Nischenführerschaft der europäischen Mittelständler anzugreifen. Lange hatte sich China auf Massenproduktion konzentriert. Doch das hat sich geändert. Heute werden in diesem riesigen Land auch hochwertigere Werkzeuge produziert, die zum Teil nicht die europäische Qualität erreichen, aber oft nur die Hälfte kosten. Die Folge: Immer mehr Unternehmen wechseln zu chinesischen Anbietern. Selbst traditionsreiche Industrien überlegen, ob sie europäische Werkzeuge noch finanzieren können.
Es ist also eine doppelte Bedrohung gegeben: Eine interne Schwächung, weil europäische Unternehmen mit hohen Kosten und Regulierung kämpfen. Und eine externe Konkurrenz, weil China aggressiv in den europäischen Markt drängt. Europa, das auf immer neue Vorschriften setzt, während andere Länder strategisch ihre Industrien fördern, muss endlich handeln. Bevor es zu spät ist. Denn die wirtschaftlichen Folgen dieser Entwicklung könnten dramatisch sein: Arbeitsplatzverluste in einigen Industriesektoren, steigende Kosten für den Sozialstaat und eine wachsende Exportabhängigkeit.
Ein möglicher Lösungsansatz liegt darin, die Industrie gezielt zu stärken, anstatt sie durch Auflagen auszubremsen. Dabei gilt es, klare Prioritäten zu setzen: Wirtschaftliche Notwendigkeiten dürfen nicht hinter ideologischen Debatten verschwinden. Innovationen müssen gefördert werden – nicht vorrangig durch Subventionen, sondern durch Bedingungen, die Wettbewerbsfähigkeit und Unternehmergeist stärken. Letztlich wird für alle gelten: mehr arbeiten, mehr sparen und die richtigen Dinge tun. Die Geschichte zeigt: Erfolgreiche Volkswirtschaften entstehen nicht durch Zufall, sondern durch harte Arbeit, Innovation und eine klare industriepolitische Strategie. Der wirtschaftliche Aufstieg Europas in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und der daraus erwachsene Wohlstand beruhen auf Leistungsbereitschaft, technologischem Fortschritt, wirtschaftlicher Disziplin und starken Führungspersönlichkeiten.
Europa darf nicht absteigen
Doch wenn diese Grundlagen in Zeiten des Wohlstands zunehmend in Vergessenheit geraten, droht ein gefährlicher Wandel: gesellschaftliche und wirtschaftliche Verhaltensmuster verschieben sich – hin zu weniger Verantwortung, abnehmender Leistungsbereitschaft und nachlassender Innovationskraft. Die Konsequenzen wären gravierend: Ein Rückstand in der internationalen Wettbewerbsfähigkeit, der sich – gerade im Kontext anhaltend hoher Inflation – nicht schlagartig, sondern schleichend bemerkbar macht. Spürbar wird dieser Rückgang spätestens dann, wenn wirtschaftliche Spannungen in sozialen Verwerfungen münden: Verteilungskonflikte, wachsender Unmut über Ungleichheit und eine zunehmende gesellschaftliche Polarisierung. Deshalb ist jetzt der Moment, um gegenzusteuern.
Europa steht an einem Wendepunkt. Wird die Politik die Weichen richtigstellen, oder rutscht Europa weiter ab? Werden Unternehmen gestärkt, oder erstickt Regulierung die letzten Innovationsmotoren? Wird Werkzeugbau als Schlüsselindustrie erkannt – oder erst, wenn es zu spät ist?
Trotz der Herausforderungen bleibt Meusburger optimistisch. Durch kontinuierliche Optimierungen, wie die Bündelung von Produktionsstandorten und mit Investitionen im Bereich der Digitalisierung kann sich Meusburger auch im rauen Umfeld weiter behaupten. Damit zählt das Unternehmen weiterhin zu einem der stabilsten im Lande.
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