Christoph Jenny

Direktor der Wirtschaftskammer Vorarlberg

(Foto: © Dietmar Walser)

Eine gute Entscheidung

Dezember 2019

In Altach hat eine klare Mehrheit für den Kiesabbau gestimmt. Und das ist auch gut so. Denn erstens ist die Zustimmung zu diesem unternehmerischen Projekt auch eine Zustimmung zum Wirtschaftsstandort Vorarlberg. Und zweitens ist die Zustimmung auch Ausdruck der Erkenntnis, stärker in regionalen Kreisläufen denken und die Nachhaltigkeit mehr im Fokus haben zu wollen. 
Laut einer im Vorjahr von Land und Wirtschaftskammer Vorarlberg gemeinsam durchgeführten Erhebung kann der jährliche Bedarf an Kies und Gestein im Land selbst bisher nicht ausreichend abgedeckt werden – von den jährlich benötigten vier Millionen Tonnen fehlten rund 230.000 Tonnen. Diese notwendigen mineralischen Produkte aus Nachbarregionen zu importieren beziehungsweise das ohnehin schon knappe Gut auch noch unkoordiniert zu exportieren, macht da wenig Sinn. Das dadurch erhöhte überregionale Schwerverkehrsaufkommen belastet die vielen Anwohner, es sorgt für unnötige Emissionen. 
Da wäre doch nur naheliegend, das bestehende System zu hinterfragen und zu ändern: Denn der Eigenbedarf an Rohstoffen in Vorarlberg, auch das ist ein Ergebnis aus der Studie, könnte regional aus allen Landesteilen gedeckt werden. Und das brächte eben auch deutlich kürzere – und direktere – Transportwege mit sich. Von einer regionalen Versorgung mit Kies und Gestein profitiert also nicht nur die heimische Bauwirtschaft, es profitiert auch die Bevölkerung. Deswegen muss die Nahversorgung mit mineralischen Produkten aus bestehenden Abbauquellen Priorität haben, unter Einbindung der Betroffenen und unter der verbindlichen Ausarbeitung verträglicher Verkehrslösungen. 
Zudem braucht es eine Rohstoff- und auch Deponiestrategie und innerhalb dieser Strategie eine laufende Bestandsaufnahme, um aktuellen Herausforderungen gerecht werden zu können. Ziel soll eine Austauschplattform sein, die sich aus fachkundigen politischen Entscheidungsträgern, Verwaltungsexperten, Interessenvertretungen sowie weiteren Experten zusammensetzt; der Output dieser Plattform muss in die Standortentwicklung und in die Raumplanung einfließen. Abgesehen davon würde diese Austauschplattform – durch den großen Querschnitt an Beteiligten – auch wesentlich zu einer sachlicheren und objektiven Auffassung von volkswirtschaftlich wichtigen Projekten beitragen. Und diese Versachlichung wäre, in einer Zeit, in der unternehmerische Projekte immer stärker auch auf ungerechtfertigten Widerstand stoßen, von immenser Bedeutung.

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