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Herz–Kreislauf–Erkrankungen und Schlaganfall – gute Versorgung in Katheterlaboren

Für Vorarlberger Patienten stehen seit Anfang Sommer drei Katheterlabore am Schwerpunktkrankenhaus Feldkirch zur Verfügung. Genützt werden sie für interventionelle Untersuchungen/Behandlungen sowohl von der Kardiologie und Angiologie als auch von der Radiologie. Was wird in einem Katheterlabor eigentlich gemacht? „Thema Vorarlberg“ hat nachgefragt.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind noch immer die häufigste Todesursache weltweit. Die Spitze der Statistik bilden die sogenannten Durchblutungsstörungen im Gehirn, gefolgt von jenen am Herzen. In Österreich erleiden etwa 275 von 100.000 Personen einen Schlaganfall, Experten gehen von circa 150 bis 200 Herzinfarkten pro 100.000 Personen aus. In Vorarlberg erleiden jährlich rund 1100 Personen einen Schlaganfall und etwa 650 einen Herzinfarkt. Durch frühzeitiges Erkennen und Behandeln und auch durch medizinischen Fortschritt und gute Infrastruktur – wie etwa die Möglichkeit der modernen Katheterlabore – können diese Zahlen und die Schwere der gesundheitlichen Konsequenzen/Schäden reduziert werden.
Seit Juli stehen den Vorarlberger Patienten nun drei moderne Katheterlabore am Schwerpunktkrankenhaus Feldkirch zur Verfügung. Gründe für die Aufstockung von zwei auf drei Behandlungsplätze waren die Erweiterung der Kapazitäten für die Versorgung geplanter Eingriffe/ Untersuchungen von Patienten bei gleichzeitiger sofortiger Versorgung von Notfall- und Akutpatienten. Nun ist eine wohnortnahe Versorgung lückenlos möglich. Genützt werden die Labore von der Inneren Medizin I (Kardiologie und Angiologie) und der Abteilung für Radiologie. In den meisten Fällen werden Akutpatienten nach der Diagnose auch gleich behandelt – mit dem Vorteil der guten exzellenten Bildgebung in den neuen Katheterlabors während der Untersuchung/ Behandlung. Die Eingriffe finden zumeist in lokaler Betäubung statt. Nur in komplexen und langwierigen Eingriffen wird eine Vollnarkose benötigt. Ein Katheter (daher der Name Katheterlabor) selbst ist ein Plastikschlauch, der über den Arm oder die Leiste in den Körper eingebracht wird.

Katheteruntersuchungen und -behandlungen für Herzpatienten

Zwei Herzkatheterlaborplätze stehen den Herz-Experten rund um Abteilungsleiter Primar Doz. Dr. Matthias Frick zur Verfügung: Untersucht werden vor allem erkrankte Herzkranzgefäße, sie werden bei Bedarf mittels Stent (Gefäßstütze aus Metall) behandelt. „Ist ein Herzkranzgefäß eines Patienten akut verschlossen, kann dies rund um die Uhr sofort behandelt und erweitert werden. Diese Gefäßeröffnung kann das Leben des Patienten retten“, informiert Primar Doz. Dr. Matthias Frick. Für Patienten mit stabilen Symptomen ist durch die Kapazitätserweiterung die wohnortnahe Untersuchung mit geringer Wartezeit möglich. Daneben werden im Herzkatheterlabor auch Herzmuskelbiopsien (Probeentnahme aus dem Herzmuskel), Punktionen von Herzbeutelergüssen, Implantationen von kabellosen Schrittmachern und Untersuchungen am elektrischen System des Herzens bei Rhythmusstörungen durchgeführt. „Gerade in der Elektrophysiologie haben sich die Indikationen erweitert. So werden Herzklappen, welche über die Leiste implantiert werden, routinemäßig Einzug ins Herzkatheterlabor halten“, blickt Primar Frick in die nahe Zukunft. In Vorarlberg werden jährlich 2200 Patienten im Herzkatheterlabor untersucht, bei 1400 davon werden Stents implantiert.

Radiologie: Behandlung und Untersuchung von Gefäßen außerhalb des Herzens

„Interventionell“ bedeutet gezielte Eingriffe an Gefäßen und Organen ohne operative Zugänge oder eine operative Freilegung durchzuführen. In der Radiologie sind dies Behandlungen von Gefäßengstellen, Behandlungen von pa- thologischen Gefäßerweiterungen, Punktionen, Galleableitungen, Leberdurchblutungsentlastungen bei Leberzirrhose, gezielte Gefäßverschlüsse bei Blutungen (Trauma) oder bei Tumoren. Insgesamt werden jährlich mehr als 600 Patienten im Katheterlabor radiologisch untersucht und behandelt. Besonders für die Behandlung von Schlaganfällen mittels der sogenannten Thrombektomie (Entfernung des verursachenden Blutgerinnsels) ist der Einsatz eines Katheterlabors mit exzellenter Bildgebung notwendig: Radiologen arbeiten hier eng mit den Akutneurologen zusammen, um Betroffene nach einer umfassenden und schnellen Abklärung (CT/MRT) möglichst schnell zur Behandlung zu bekommen. Dafür wird das für den Schlaganfall ursächliche Blutgerinnsel über einen in die Hirngefäße eingebrachten Katheter fixiert und abgesaugt. Das Ziel ist, möglichst viel Hirnsubstanz zu erhalten, bevor dieses durch die Minderdurchblutung geschädigt ist. Am LKH Feldkirch werden bis auf die Behandlung von Aneurysmen in Hirnschlagadern (die Behandlung von krankhaften Aussackungen/Erweiterungen von Hirngefäßen wird durch die Neuroradiologie der Medizinischen Universität Innsbruck durchgeführt) alle angiographischen/ interventionellen Eingriffe für die Vorarlberger Patienten angeboten. 

19.09.2018

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Ulrike Delacher

Die gebürtige Tirolerin studierte Germanistik und Integrierte Kommunikation. Sie leitet die Unternehmenskommunikation bei der Vlbg. Krankenhaus-Betriebsgesellschaft.

(Foto: © Matthias Weissengruber)

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