Hans-Peter Metzler

Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg, Herausgeber „Thema Vorarlberg“

(Foto: ©Markus Gmeiner)

Mehr Freiraum!

Juli 2019

Der aktuelle Bericht des Landes zeigt, dass Vorarlbergs Wirtschaft auf sehr hohem Niveau stabil ist, er zeigt aber auch, dass sich die Weltwirtschaft eintrübt und dass in Vorarlbergs Kernmärkten bereits Seitwärtsbewegungen sichtbar sind. Nun ist Innovationskraft die wohl beste Antwort einer Region, sich für das Kommende zu rüsten; aber Vorarlberg hat da einigen Aufholbedarf: Es sind zwar viele Vorarlberger Unternehmen für sich selbst äußert innovationsstark und damit erfolgreich, es gibt im Land allerdings nach wie vor zu wenige kreative, vernetzte Biotope, in denen Innovation entstehen könnte. Wenigen gute Beispielen – der Plattform V etwa, der entstehenden Postgarage und anderer Initiativen – steht die Tatsache gegenüber, dass in Summe der Vernetzung zum Nutzen der Region zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird.
Die Politik kann keine Arbeitsplätze schaffen, nur Rahmenbedingungen. Aber die Politik wird in dieser Hinsicht noch ganz andere Aufgaben bekommen, als sie derzeit meint zu haben; sie wird jene Freiräume denken und realisieren müssen, in denen Innovationen überhaupt erst entstehen können. Eine andere Innovationskultur muss Raum greifen. Es braucht mehr Verständnis dafür, was Innovation ist und wie sie zustande kommt. Es braucht mehr Wertschätzung für all jene, die auf eigenes Risiko und aus eigenem Antrieb in unserem Land unternehmerisch agieren. Und es braucht mehr Freiraum für Unternehmertum und eine andere Kultur, die erlaubt, aus Fehlern zu lernen.
Vom deutschen Sozialwissenschaftler Meinhard Miegel stammt der Satz: „Unternehmer sind Störer.“ Unternehmer müssten oft gegen den Strom schwimmen, um Änderungen zu erzwingen, und wer gegen eingefahrene Muster vorgehe und damit Neues schaffe, werde als Störer wahrgenommen. Doch unternehmerisch zu agieren und innovativ zu sein, heißt, sich nicht mit dem Status Quo zufrieden zu geben. Dies anzuerkennen, wäre ein richtiger Schritt auf dem Weg in eine Gesellschaft, in der Mut und Unternehmertum wertgeschätzt werden und in der anerkannt wird, dass Innovationen einzelner den Nutzen vieler bedeuten können. Er bräuchte an den entscheidenden staatlichen und politischen Stellen mehr Ermöglicher und weniger Beschränker; es bräuchte weniger von jenen, die nur davon innovativ werden, wenn es darum geht, Innovationen zu verhindern. Ohne Innovation herrscht Stagnation. Und das kann, in einer immer stärker wandelnden Welt, nun wirklich nicht die Antwort auf die künftigen Herausforderungen sein.

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