Simon Groß

Redaktion ()

Das Geschäft mit der Liebe

April 2021

Ein kleiner Hundewelpe wurde Anfang des Jahres an der Grenze in Hörbranz von der Polizei als Illegaler „aufgegriffen“ – natürlich unverschuldet: Auch in Vorarlberg gibt es Fälle von illegalem Tierschmuggel und -handel.

Mehr Homeoffice, Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen, die kostbare Zeit an der frischen Luft nützen, ein bisschen Aufmerksamkeit bekommen und mehr Abwechslung in den eintönigen Alltag bringen. Gelegenheiten, die sich besonders gut mit einem tierischen Begleiter vereinbaren lassen – vor allem dann, wenn es wie so manchen ohnehin schon an menschlicher Gesellschaft mangelt. Die gestiegene Nachfrage nach Haustieren ist nicht nur ein Ding der Corona-Zeit, sondern auch noch ungemein spannender als jene nach Toilettenpapier oder Desinfektionsmittel: Viele haben sich während der Pandemie ein Haustier „zugelegt“. Immerhin kommen derzeit auf mehr als acht Millionen Menschen in Österreich rund zwei Millionen Hauskatzen und etwa eine Million Hunde – Nager, Vögel und andere Exoten jetzt einmal außen vorgelassen.

„Illegal aufgegriffen“

Zurück zum kleinen Cocker-Spaniel: Am 21. Jänner wurde beim Autobahnzollamt Hörbranz ein 38-jähriger rumänischer Pkw-Lenker bei einer routinemäßigen Fahrzeugkontrolle angehalten. Dabei wurde im Kofferraum eine Hundebox samt Hundewelpen sichergestellt – wie sich herausstellte, war der Fahrer bereits 15 Stunden unterwegs, er wollte das Tier nach Lustenau bringen. Die umgehend hinzugezogenen Amtstierärzte stellten fest, dass es nicht nur an nötigen Transport- und Zulassungsdokumenten fehlte, sondern dass das Tier weder eine gültige Tollwutimpfung hatte noch gechippt war. Der Hundewelpe, der Hunger und Durst hatte, wurde ins Vorarlberger Tierschutzheim in Dornbirn gebracht. Der Lenker wurde nach dem Tierschutzgesetz sowie nach dem Kraftfahrgesetz angezeigt. Geht es um den Straftatbestand Tierquälerei, dann ist die Abteilung Umweltkriminalität im Landeskriminalamt Vorarlberg zuständig. „Meistens sind es Zufallskontrollen, die zu einem konkreten Ermittlungsfall oder Verfahren führen. Entsprechend gering ist damit auch die Dichte mit ein bis zwei Fällen illegaler Tiertransporte pro Jahr“, heißt es aus dem Ermittlungsbereich im LKA. Dennoch wurde 2019 ein größerer Fall bearbeitet – mit internationalen Auswüchsen.
Ein angeblicher Tierschutzverein beziehungsweise vielmehr eine Organisation aus Deutschland, die sich auf die „Vermittlung“ von Streunern spezialisiert hat, betrieb über mindestens zehn Jahre ein recht lukratives Geschäft. Mindestens zwei Lieferwagen – das Unternehmen hatte mehrere davon angemeldet – fuhren wöchentlich aus dem Balkan die Ware an: Rund 570 Euro für einen Hund, etwa 200 für eine Katze, die Tiere waren allerdings hauptsächlich für Kunden aus der Schweiz bestimmt. „Quasi per Zufall wurden zwei Fahrzeuge auf einem Betriebsgebiet in Dornbirn kontrolliert, nachdem das rege Treiben von Beobachtern bei der Polizei gemeldet worden war. Der Übergabeort in Vorarlberg war wohl ein kurzfristiger Ausweichplatz, da die sonst übliche Übergabe an der deutsch-schweizerischen Grenze offenbar zu brenzlig war“, sagt die zuständige Ermittlerin. Vor Ort schienen Transportbedingungen und Papiere auf den ersten Blick in Ordnung zu sein, doch bei der genaueren Prüfung durch den hinzugezogenen Amtstierarzt zeigten sich Unstimmigkeiten: „Die Daten der Chips der Tiere passten nicht mit den Daten der EU-Tier­ausweise zusammen, was man bereits an den ersten paaren Ziffern erkennen kann“, erklärt die Kriminalpolizei. Demnach sollten die Tiere aus dem EU-Mitgliedsland Bulgarien kommen, allerdings stellte sich heraus, dass diese aus Serbien stammten und somit gar keine „EU-Tiere“ sein können. Aber nicht nur das: „17 von den insgesamt 22 Tieren hatten einen unzureichenden Tollwutschutz, manche der Tiere noch gar keine Impfungen. Ohnehin wäre die Impfung bei keinem der Tiere gültig gewesen. Somit wurden die Vierbeiner als ‚verfallen‘ erklärt, und weder die künftigen Halter noch die Organisation haben die Tiere erhalten“, heißt es aus dem LKA. Sie landeten im Tierheim, sind aber immerhin schon anderweitig vermittelt. Anderswo wären sie vermutlich gekeult worden. Für den vermeintlichen Tierschutzverein hagelte es einige Anzeigen: Urkundenfälschung und schwerer Betrug, Diebstahl – offensichtlich wurden manche Tiere sogar gestohlen – und Hehlerei sowie in Bezug auf die Gefährdung von heimischen Arten und Pflanzen.

Keine Retoure

Das nur scheinbar gutmütige Geschäft mit der Liebe hat sich längst ins Internet verlagert. Auf ominösen Internetseiten kann man sich nach dem Prinzip „Geld, dann Ware“ Tiere bestellen. Aber vor allem im Internet sei Vorsicht geboten: „Die Käufer kommen oft gar nicht erst zu ihren Tieren – denn die gibt es teilweise nicht. Das ist dann eine reine Betrugsmasche und somit auch wiederum ein Fall für den Ermittlungsbereich Betrug“, erklärt die Ermittlerin. Auch sind etwaige Onlineplattformen keine Onlinehändler, bei denen man bestellt und die Ware zurückgeben kann. „Wenn tatsächlich Tiere auf den Weg gehen, dann sind sie oft viel zu jung. In der Regel dürfen Tiere erst ab acht Wochen abgegeben werden.“ Die Ermittlerin rät, Vernunft walten zu lassen, sich seriöse Züchter samt Kontaktdaten zu suchen, die Zuchtstätten wenn möglich zu besichtigen und sich bei einem etwaigen Transport über eines im Klaren zu sein: „Wenn ich weiß, dass ein Tier über hunderte, wenn nicht tausende Kilometer hergefahren wird: Ist das gut für mein künftiges Haustier?“. Eine Frage, die man sich mitunter gar nicht stellen müsste: Denn wer etwas Gutes tun möchte und einem bedürftigen Tier ein Zuhause schenken will, kann sich zudem auch im Tierheim umsehen. Apropos: Der Cocker-Spaniel hat inzwischen ein schönes Plätzchen bekommen.

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