Nora Weiß

Redakteurin Thema Vorarlberg

Foto: Weissengruber

 

 

 

„Den Frauen eine Spur gelegt, Richtung klar, Stil perfekt“

Mai 2021

So charakterisierte einst Alt-Landtagspräsident Karl Tizian Elfriede Blaickner, die mit ihrem mutigen Schritt in die Politik zum Vorbild vieler Frauen wurde.

Im Mai vor zwanzig Jahren starb die Feldkircherin Elfriede Blaickner, die zu Lebzeiten zwei große Premieren erreichen konnte: Sie war die erste Frau in einer Vorarlberger Stadtvertretung und schaffte gemeinsam mit einer Mitstreiterin als erste Frau den Einzug in den Vorarlberger Landtag. Und blieb nach deren frühem Tod lange Zeit die einzige. Diese Errungenschaften machten sie zum Vorbild für viele Frauen nachfolgender Generationen. Ihr starkes Auftreten ist dabei vielen in Erinnerung geblieben.
„Ich hatte das Plus, dass Landeshauptmann Ilg ganz auf meiner Seite gestanden ist. Dadurch waren sämtliche Bauern gebunden. Denn die Bauern wären sicherlich die letzten gewesen, die einer Frau den Einzug ins Parlament gestattet hätten“, erinnerte sich Elfriede Blaickner Jahre später. Dieser gelang ihr gemeinsam mit einer zweiten Frau, der SPÖ-Mandatarin Anni Mayr. Als diese aber kurze Zeit später stirbt, bleibt Blaickner über lange Jahre hinweg die einzige Frau im Landtag, wo sie in erster Linie für soziale Themen verantwortlich zeichnete. Politische Weggefährten sowie ihre Nachfolgerinnen und Nachfolger charakterisierten sie als willensstark und durchsetzungsfähig. Ihre Anliegen in den Bereichen der Schul- und Sozialpolitik setzte sie mit Vehemenz und viel Selbstbewusstsein durch. Sie konnte sich in dieser männerdominierten Zeit in der Politik behaupten und gab den Anstoß für ein Umdenken einer ganzen Generation. Dass dieses Umdenken aber erst in den Kinderschuhen steckte, zeigt sich in den Gratulationsworten des damaligen Landtagspräsidenten Karl Tizian, die er zu Ehren ihres 80. Geburtstags in einer Festschrift verfasste: „Viel vermochte sie durch ihr Beispiel als Vertreterin des Volkes und durch ihren mütterlichen Charme. Auch als treu und originell sorgende ‚Klubmutter‘ wirkte sie wohltätig und umsichtig. Dankbar waren wir ihr nicht nur für die Betreuung mit Brötchen, Gebäck, Obst, Limonade oder Eis, sondern auch für so manche ‚Schlangenbeschwörung‘ bei hitzigen Debatten.“ Dass es, wie es scheint, die Aufgabe der weiblichen Politikerin war, sich um das leibliche Wohl ihrer Kollegen zu kümmern, ist in der heutigen Zeit kaum mehr vorstellbar, auch wäre das Lob ihres „mütterlichen Charmes“ in diesem Zusammenhang wohl wenig schmeichelhaft. Die Worte des Alt-Landtagpräsidenten zeigen aber auch auf, dass sie sich in Diskussionen durchaus gegen ihre männlichen Kollegen durchzusetzen vermochte und von diesen respektiert wurde. 
Eine fürsorgliche Mutter und gute Hausfrau zu sein, war die von der Gesellschaft definierte Hauptaufgabe der Frauen dieser Generation. Auch Elfriede Blaickner selbst war geprägt von dieser Haltung und betonte stets die große Bedeutung dieser christlich-sozialen Werte. Sie rechtfertigte ihren stetigen Kampf, noch mehr Frauen für die Politik zu begeistern, unter anderem damit, dass die Frauen „die Probleme aus einer anderen Sicht, aus ihrer mütterlichen, hauswirtschaftlichen Haltung“ heraus sehen.
Die 1904 in Imst geborene Elfriede Blaickner verdiente nach ihrem Abschluss an der Lehrerbildungsanstalt in Innsbruck ihr Geld als Wanderlehrerin in Vorarlberg, wo sie Kinder sowie Frauen unterrichtete. „Jeweils 14 Tage war ich in verschiedensten Vorarlberger Gemeinden und habe Vorträge und Kurse zu sozialen Fragen, Frauenfragen und anderem mehr gehalten“, erzählt die Grand Dame der Politik in einem Interview mit „Feldkirch aktuell“ und erklärt, dass sie diese Tätigkeit nach drei Jahren aufgeben musste: „Denn als ich heiratete, gab es noch das Zölibat für Lehrerinnen (…)“. Aufgrund dessen war Blaickner ab 1936 Hausfrau und Mutter und bekam erst 1952 das Angebot, wieder als Lehrerin tätig zu sein, was sie als große Bereicherung empfand. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits drei Jahre außerordentliches Mitglied in der Feldkircher Stadtvertretung und wurde 1954 als erste Frau vollwertiges Mitglied dieser. Aus der anfänglichen reinen Akzeptanz ihrer Anwesenheit wurde zunehmend Anerkennung aufgrund ihres fundierten Wissens insbesondere hinsichtlich der Altenheimsituation. Dass sie als Frau den Schritt in die Politik wagen konnte, lag zu großen Teilen auch an ihrem Ehemann, der wohl für die damalige Zeit sehr progressiv war. Diese Tatsache streicht Elfriede Blaickner selbst in einem Interview mit „Feldkirch aktuell“ anlässlich ihres 90. Geburtstags im Jahr 1999 heraus: „Ich hatte großes Glück, dass mein Mann mein politisches Engagement gerne gesehen und unterstützt hat. Er war mit mir begeistert, wenn ich etwas erreichen konnte“, und betont weiter: „Gott sei Dank gibt es heute bereits eine Reihe vernünftig denkender Männer.“ Ihrem Vorhaben zuträglich war sicherlich auch die gesellschaftliche Stellung ihres Vaters Hans Bitschnau, der als erster Staatsanwalt von Feldkirch großes Ansehen genoss. 
Bis ins hohe Alter hinein blieb Elfriede Blaickner politisch aktiv und engagierte sich für die Anliegen der Seniorinnen und Senioren im Land.
Obgleich Elfriede Blaickner ihr Leben lang konservative Werte, vor allem im Hinblick auf Themen, wie Kinderbetreuung, vertrat, lebte sie als berufstätige Frau und Politikerin einen modernen, progressiven Lebensstil. Die Grand Dame des Vorarlberger Landtags ließ sich nicht von ihrem Weg abbringen und blieb ihren Prinzipien bis ins hohe Alter treu. Ihre Mitstreiter im Landtag sowie ihre Nachfolgerinnen beeindruckte sie mit ihrem großen Selbstbewusstsein und ihrem Talent, andere von ihren Anliegen zu überzeugen.

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