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Diagnose Krebs: Die Überlebensrate steigt

Jährlich gibt es 1700 Neuerkrankungen an Krebs in Vorarlberg, insgesamt etwa 16.000 Menschen leben im westlichsten Bundesland mit der Diagnose. Die Diagnose- sowie Behandlungsmethoden haben sich in den vergangenen 30 Jahren enorm verbessert. Daher überleben auch mehr Menschen mit Krebs. Primar Holger Rumpold, Leiter der Onkologie, informiert über die Situation in Vorarlberg und aktuelle Entwicklungen in der Krebstherapie.

Der Kampf gegen Krebs ist und bleibt eine große Herausforderung für alle Beteiligten – besonders für Patienten und ihre Angehörigen, aber auch für Ärzte, die für jeden einzelnen Patienten individuelle Behandlungswege erstellen und so den Kampf aufnehmen. Dank der Entwicklung sowohl in der Medizinforschung als auch in der Technik verbessern sich die Chancen für jene, die neu an Krebs erkranken. In Österreich erkranken jährlich rund 40.000 Menschen neu an Krebs (Inzidenz), 1700 davon in Vorarlberg (etwa vier Prozent).  Die Prävalenz liegt in Österreich bei rund 360.000 Menschen, die mit Krebs leben, in Vorarlberg sind etwa 16.000 Patienten betroffen.

Deutliche Verbesserung bei Überlebensrate

Primar Holger Rumpold erklärt: „Das Überleben von Krebserkrankungen hat sich deutlich verbessert. Während in den 1980er- und 1990er-Jahren nur jeder Dritte überlebt hat, überlebt heute zumindest jeder zweite Betroffene. Die Überlebensrate ist also von 35 bis 45 Prozent auf 60 bis 70 Prozent gestiegen. Überleben bedeutet, dass dieser Anteil an Patienten mit Diagnose Krebs nach fünf Jahren noch lebt (Fünf-Jahres-Überlebensrate).“ Der Grund dafür sei die Verbesserung der Therapiemöglichkeiten, sowohl operativ als auch medikamentös. Wesentlich ist die Erkenntnis, dass die Zusammenarbeit und Anwendung aller Therapiemöglichkeiten in bestimmten Abfolgen mehr ist als die Summe der einzelnen Therapieschritte. Als Beispiel nennt Dr. Rumpold, dass metasasierte Erkrankungen zunehmend operiert werden können, wenn bestimmte biologische Bedingungen wie das Ansprechen auf medikamentöse Therapieformen vorliegen. „Das zeigt sich vor allem beim Darmkrebs sehr gut. Das Überleben vor allem im metasasierten Zustand ist dadurch gestiegen. Hier braucht es beispielsweise die intensive Zusammenarbeit und Abstimmung von Chirurgischer Onkologie, Onkologie und Strahlentherapie inklusive den entsprechenden notwendigen Strukturen wie das Vorhandensein einer Intensivstation, einer Pathologie und einer Molekularpathologie.“  Entscheidend ist, dass diese Strukturen von Personen genützt werden, die die entsprechende Erfahrung im eigenen Fach und in der Zusammenarbeit für die Patienten haben – „wie dies am LKH Feldkirch als Schwerpunktkrankenhaus der Fall ist“, sagt Rumpold.

Neue Entwicklungen

„Grundsätzlich hat sich die Herangehensweise an Krebserkrankungen mit der personalisierten Medizin wesentlich geändert. Dies ist Erkenntnissen aus der jahrzehntelangen Grundlagenforschung zu danken. Beispielsweise wird der Tumor heute histologisch und molekularbiologisch untersucht. Diese Informationen über die Biologie des Tumors dienen direkt der Entscheidung für eine Therapie, die den höchstmöglichen Erfolg verspricht. Sehr interessant sind hier etwa Marker, die ein Ansprechen auf Immuntherapie vorhersagen. Aktuell findet ein Paradigmenwechsel in der Zulassung moderner Krebsmedikamente statt: Es geht nicht mehr nur darum, welcher Art die Krebserkrankung ist, sondern es geht darum, welchen Marker der Tumor hat. Dieser gibt Aufschluss darüber, welches Medikament eingesetzt werden kann – unabhängig vom Ursprungsorgan der Krebserkrankung. Dieser Biomarker beschreibt eine hohe Mutationsfrequenz des Tumors (Mikrosatelliten-Instabilität).
Aufgrund dessen wird demnächst erstmals in Europa ein Medikament auf der Grundlage dieses Markers zugelassen, in den USA ist das Medikament bereits zugelassen.  Im Gegensatz zu früher, als ein Medikament nur für einzelne Tumorarten zugelassen wurde, ist heute neu, dass ein Medikament anhand einer biologischen Eigenschaft, die verschiedenste Tumorarten eint, zugelassen wird. Entwicklungen wie diese tragen wesentlich zur Verbesserung des Überlebens bei Krebserkrankungen bei. Die Nebenwirkungen der gezielt wirkenden, modernen Substanzen sind deutlich geringer als bei klassischen Chemotherapien, womit sich deren Einsatzmöglichkeit verbreitert.

Interdisziplinare Zusammenarbeit

„Gerade in Vorarlberg“, beschreibt Onkologe Rumpold, „ist die Zusammenarbeit speziell bei den einzelnen Disziplinen, die bei Krebsbehandlungen notwendig sind, hervorragend. Und sie funktioniert ganz im Sinne eines Krebszentrums: von der Radiologie und anderen bildgebenden Verfahren auf neuestem Stand der Technik zur Krebserkennung bis hin zur Feststellung einer Krebserkrankung dank ausgezeichneter pathologischer Verfahren in der Pathologie Feldkirch. Die Patienten werden von höchsterfahrenen Ärztinnen und Ärzte der Onkologie, die alle am LKH Feldkirch vor Ort sind, behandelt – in Zusammenarbeit mit anderen Spitälern und Partnern im niedergelassenen Bereich und engmaschigen Behandlungsplänen gemeinsam mit Vorarlbergs einziger Radioonkologie.“

In Vorarlberg sind die Patienten gut aufgehoben, weil im Schwerpunktkrankenhaus Feldkirch und dank der guten Zusammenarbeit mit anderen Systempartnern die Wege kurz sind und „wir dadurch schnell und flexibel auf die Gegebenheiten reagieren können“, informiert Doktor Rumpold.

 

03.03.2018

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Ulrike Delacher

Die gebürtige Tirolerin studierte Germanistik und Integrierte Kommunikation. Sie leitet die Unternehmenskommunikation bei der Vlbg. Krankenhaus-Betriebsgesellschaft.

(Foto: © Matthias Weissengruber)

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