Thomas Feurstein

Studium der Germanistik und Geografie, Bibliothekar an der Vorarlberger Landesbibliothek, Schwerpunkte: Landeskunde, Schule und Bibliothek

(Foto: © Gerhard Kresser/Vorarlberger Landesbibliothek)

 

80.000 Mal Vorarlberg

Oktober 2015

Volare“ im Wörterbuch nachgeschlagen bedeutet auf Italienisch „fliegen“, in der Vorarlberger Landesbibliothek steht seit kurzem „Volare“ als Abkürzung für Vorarlberger Landesrepositorium, umgangssprachlich könnte man dies als „Behälter für digitale Objekte“ bezeichnen. So heißt eine neue Dienstleistung der Landesbibliothek mit der mehr und mehr digitale Objekte benutzerfreundlich angeboten werden können. Zum Start sind rund 80.000 Bilder von Vorarlberg zugänglich und es werden regelmäßig weitere Fotos online gestellt. Dafür wurde eine Kooperation mit der Universität Wien eingegangen, um auf deren Erfahrung im Umgang mit digitalen Objekten aufzubauen zu können - die in diesem Fall dem kulturellen Erbe Vorarlbergs zuzurechnen sind. In einer ersten Phase widmet sich die Landesbibliothek ihrer Fotosammlung, die nach und nach digital via Internet breiten Bevölkerungsschichten zugänglich gemacht werden soll. Volare erschließt damit die Landkarten-, Foto- und Ansichtskartensammlung als historische Quellengattung nicht nur für die Regional-, Sozial- und Kulturgeschichtsforschung, sondern auch für jene, die ihren Heimatort oder ihr Urlaubsziel neu entdecken oder ganz allgemein in der Vergangenheit schmökern wollen.

Sammlungen online

  • Eine der größten Sammlungen ist die von Helmut Klapper, der über 20 Jahre hinweg hauptberuflich für die Landesbildstelle unterwegs war, und in dieser Zeit fast 100.000 Fotos produziert hat. Davon sind im Moment 26.000 digitalisiert und über den Katalog der Landesbibliothek abrufbar. Klapper hat zwischen 1972 und 1994 politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ereignisse dokumentiert - es finden sich Bilder von Straßenbauten, Landschaften, auch Flugaufnahmen aller Vorarlberger Regionen.
  • Das Firmenarchiv des ehemaligen Ansichtskartenherstellers Risch-Lau, das 1990 von der Landesbibliothek erworben wurde, besteht aus über 41.000 Aufnahmen (Glasplatten- und Zelluloid-Negative, Positive), die zu einem großen Teil Landschaftsaufnahmen aus Vorarlberg und dem restlichen Österreich zeigen.
  • Die Ansichtskartensammlung enthält rund 30.000 Karten mit Vorarlberger Motiven, wobei die ältesten aus dem Ende des 19. Jahrhunderts stammen, die neuesten hingegen aktuelle Produktionen bestehender Postkartenverlage sind. Im Internet können allerdings nur die Karten gezeigt werden, die vor 1945 produziert werden, da urheberrechtliche Schranken eine uneingeschränkte Nutzung verhindern. Im Moment sind etwa 10.000 Karten digital verfügbar, so etwa alle Städte Vorarlbergs und Teile des Bregenzerwaldes.
  • Die Landesbibliothek verfügt über eine wertvolle Sammlung historischer Landkarten von Vorarlberg. Die älteste Karte wurde von David Seltzlin gestochen, stammt aus dem Jahre 1572 und zeigt in altkolorierter Ausführung den Schwäbischen Kreis. Zum historischen Bestand zählen etliche bekannte Karten wie etwa die so genannte Vorarlbergkarte des Blasius Hueber von 1783 oder die in neun Blättern erschienene Schwabenkarte von Michael Seutter von 1725.
  • In naher Zukunft werden die Sammlungen „Ignacio Martinez“ (Architektur) und Oliver Benvenuti (Alpen und Vorsäße) der Öffentlichkeit zu Verfügung stehen. Später werden dann die Fotos von Walter Gnaiger, Walter Vonbank, Dietmar Wanko, Nikolaus Walter, Oskar Spang und vielen anderen mehr die Bilddatenbank bereichern. Weiters ist geplant, dokumentarisch wichtige Fotos, die im Amt der Vorarlberger Landesregierung produziert wurden, hinzuzufügen.

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