Simon Groß

Redaktion ()

So steht es um die Sicherheit im Bahnhofsquartier Dornbirn

September 2018

Der Bahnhof Dornbirn gehört zu den wichtigsten und meistgenutzten Bahnhöfen in Vorarlberg. Überdacht, wetterfest und mit großzügigen Warte- und Verweilflächen bietet diese Mobilitätszentrale viel Platz für Passagiere. Aber eben nicht nur für Passagiere.

Das Bahnhofsareal in Dornbirn gilt als „Hotspot“. Alkohol, Drogen, Übergriffe und Gewalt sind die üblichen Schlagworte in den Medien. Knapp ein Jahr ist es her, dass der Vertrag zur Errichtung eines neuen Polizeigebäudes am Bahnhof Dornbirn unterzeichnet wurde. Ab Herbst 2020 sollen im neuen Gebäude die Dornbirner Polizeiinspektion sowie das Bezirkspolizeikommando untergebracht werden. Die Baukosten belaufen sich auf rund sechs Millionen Euro – ein hoher Preis für ein besseres Sicherheitsgefühl. 

Bestandsaufnahme

Stefan Schwarzmann, Kommandant der Stadtpolizei Dornbirn, sagt, die Sicherheitslage sei „zumindest aus polizeilicher Sicht zufriedenstellend“. Die Zahl der Beschwerden halte sich in Anbetracht des hochfrequentierten Platzes in Grenzen. Dies hänge aber vor allem auch damit zusammen, dass Stadt- und Bundespolizei den Bahnhof bei der täglichen Arbeit immer im Blickfeld haben und dort auch präsent sind. Sowohl präventiv als auch im Einsatzfall. Zudem werde die Schaffung eines guten Bahnhofsumfeldes seit Jahren auch als gemeinsame Aufgabe zwischen Polizei, den ÖBB und deren Sicherheitsdienst, Stadtbus, Landbus, Gewerbetreibenden und Sozialeinrichtungen wahrgenommen. Durch dieses koordinierte Vorgehen kann schnell auf neue Situationen reagiert werden, bevor sie am Bahnhofsareal störend werden. Insofern sei der Bahnhof Dornbirn auch nie ein Hotspot in dem Sinn gewesen, als dass dort besonders viele Straftaten passieren. Dies würden auch Statistiken und Auswertungen der Landespolizeidirektion der letzten Jahre zeigen.

Ankunfts-, Abfahrts- und auch Aufenthaltsort

Wie auch an anderen öffentlichen Plätzen gehe es natürlich nie ganz ohne Ärger – besonders am Wochenende. Auch Raufereien oder Sachbeschädigungen kommen fallweise im Bahnhofsareal vor und lassen sich nicht gänzlich verhindern. Dennoch sei es äußerst selten, dass Bahnreisende und Benützer des öffentlichen Personennahverkehrs sowie Passanten in solche Vorfälle verwickelt werden. „Die Leidtragenden dieser Straftaten sind meistens in diversen Gruppierungen selbst zu finden“, betont Schwarzmann. Wie auch in anderen Städten sei der Bahnhof nicht nur Ankunfts- und Abfahrtsort, sondern auch Aufenthaltsort für verschiedene Gruppen. In der Öffentlichkeit ist die Präsenz von Menschen aus Rumänien im Verlauf der Jahre deutlich gestiegen. Eine Studie der Fachhochschule Vorarlberg hat den Bahnhof Dornbirn als Treffpunkt für Bettler untersucht, vor allem die Bettler- und Zeltlager entlang des Bahndamms in Dornbirn waren immer wieder Gegenstand der Berichterstattung. „Der Umgang damit war am Anfang für alle eine große Herausforderung. Heute hat sich die Situation deutlich verbessert und zahlreiche Maßnahmen wie etwa der Erlass eines Bettelverbots zu den Marktzeiten in Verbindung mit stetigen Kontrollen haben gegriffen“, führt Schwarzmann aus. Neue Lager seien seit dem Erlass eines Campingverbots durch die Stadt Dornbirn nicht mehr entstanden. Das bedeute aber nicht, dass man sich in Zukunft nicht weiter mit diesem Thema befassen müsse. Es gilt, Tendenzen frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls gegenzusteuern, betont Schwarzmann. Auch die Flüchtlingswelle hat sich im polizeilichen Alltag bemerkbar gemacht: „Diese Menschen kommen aus unterschiedlichsten Kulturkreisen und haben entsprechend unterschiedliche Wertvorstellungen, was im polizeilichen Alltag oft zur Herausforderung wird – vor allem wegen der sprachlichen Barrieren, die Amtshandlungen oftmals erschweren“, berichtet Schwarzmann.

Alkohol im Spiel

Die Festlegung einer Alkoholverbotszone im Bereich des Bahnhofes sei eine sinnvolle Entscheidung gewesen. Die Erfahrungen zeigen, dass der Alkoholkonsum eine der Hauptursachen für Ordnungsstörungen im öffentlichen Raum darstellt. Unangemessenes Verhalten gegenüber anderen Personen, Anpöbeln oder das provokative Besetzen von Wegen und Durchgängen stehe oftmals in Verbindung mit Alkoholkonsum. „Es sind hier immer wieder dieselben Personen, die am Bahnhof Probleme machen, indem sie die Alkoholverordnung ignorieren, andere Ordnungsstörungen begehen oder sich schlichtweg nicht aufzuführen wissen. Hier sind wir immer wieder mit einer gewissen Respektlosigkeit sowie mit einem großen Aggressionspotenzial konfrontiert“, beanstandet Schwarzmann. Gemeinsam mit anderen begleitenden Maßnahmen sei das Alkoholverbot insgesamt aber ein wirkungsvolles Mittel zur Aufrechterhaltung eines sicheren Bahnhofsumfelds.

Verantwortung für Querschnittsmaterie

Das Bahnhofsquartier ist eine „Querschnittsmaterie“, für die alle Beteiligten aus Politik, Verwaltung, Stadtpolizei, Bundespolizei und sozialen Einrichtungen gleichermaßen in der Verantwortung stehen, erklärt Schwarzmann. War vor einigen Jahren ein regelmäßiger guter Austausch zwischen sozialen Einrichtungen und Polizei eher die Ausnahme, ist das heute selbstverständlich. Dieser Austausch auf Augenhöhe sowie die Zusammenarbeit funktionieren sehr gut, da sich alle Beteiligten der Aufgabe bewusst sind und wissen, dass es nur im gemeinsamen Bemühen und im gegenseitigen Unterstützen gelingen kann. Ach ja, das neue Polizeigebäude: Ob dadurch das Sicherheitsempfinden allgemein noch besser wird, bleibt abzuwarten.

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